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9. Tag
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18. September 2000
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Montag
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Valle de Añisclo
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| Heute fahren wir nach Añisclo. Wir biegen
in Escalona rechts ab in Richtung Parque Nacional, fahren vorbei an
der Abzweigung nach Belsierre. Wir verfolgen den Rio Vello , der sich
in einer atemberaubenden Tiefe durch die Felsen gegraben hat. Diese
Straße ist Gott sei Dank eine Einbahnstraße , also besteht
bei der geringen Breite keine Gefahr des Gegenverkehrs, ausserdem
hat sie eine stabile Leitplanke. Das ist beruhigend für mich.
Wir fahren heute übrigens wieder mit zwei Autos. Heiko und ich
sitzen bei Erich, Grefes bei Chrosts. Auf dem Parkplatz stehen schon
einige Autos, obgleich wir recht früh sind. Rechtzeitiges Kommen
ist hier wichtig, da das Parkplatzangebot sehr gering ist. |
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| Zunächst überqueren wir die
"Postkarten- Brücke", die Puente San Urbez, die auf
mich allerdings etwas enttäuschend wirkt. Ich hatte befürchtet,
wegen der ziemlichen Höhe in arge "Schwindel-Schwierigkeiten"
zu geraten. Aber von oben merkt man die Höhe kaum. Ich kann sogar
vom Rand in die Tiefe des Rios Vellos sehen. |
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Rechter Hand sehen wir den Sestrales
mit seinen 2106 m.
Wir wandern im Gänsemarsch zunächst auf ziemlich gleichbleibendem
Niveau, doch dann kommt die Steigung. Lang zieht sie sich hin.
Nach ca. 1 ½ Stunden machen wir Picknick an einer "Lichtung".
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| Hier läuft das Wasser des Rios
Vellos über große Felsflächen, um dann über einer
Kante in die Tiefe zu stürzen. Unten erblickt man dann einen
kleinen See mit "grünem" Wasser.Ich wage mich sogar
an diesen Wasserfall! |
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| Ich merke, ich werde immer mutiger.
Man wächst halt mit den Aufgaben, auch in Punkto Schwindelfreiheit
wahrscheinlich. Nach unserer Stärkung steigen wir weiter, der
Himmel hat sich inzwischen ziemlich bewölkt und sieht nach 1
½ Stunden nicht so sehr vertrauenserweckend aus. |
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Da wir noch ca. 1 Stunde Anstieg bis oben haben
und es sehr nach Regen aussieht, der dann den Abstieg gefährlich
glitschig macht, beschließt unser "Pastor": Umkehr
Wir müssen denselben Weg zurück und
an der Abzweigung nach "Nerin" folgen wir dieser.
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Dies ist auch für Erich Neuland.
Nach seinem Kartenstudium kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich um
eine Steigung von rund 100 Höhenmetern handelt. Es ist etwas
mühsam, teilweise geht es in Serpentinen, und nach jeder Biegung
hoffen wir, oben zu sein. |
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Endlich ist es geschafft - wir mussten erst über
den Berg, um auf die andere Seite zu gelangen. Dabei stellt Erich
fest, dass er sich "verlesen" hat, es handelte sich um
ca. 250 Höhenmeter. Naja, kann ja mal passieren.
Nach einem Gipfelfoto (rechts) geht es weiter.
Wir kommen durch das verlassene Dorf Sercuè
und suchen den links abbiegenden Weg - lt. Wanderkarte - zur Hauptstraße
und somit zum Parkplatz. Leider vergeblich. Auf Verdacht gehen wir
querbeet durch die Macchia auf der Suche nach einem Trampelpfad
nach unten an die Straße.Es ist wahnsinnig pieksig, Kurt versucht
sich links über den Berg durchzuschlagen. Rolf geht links nach
unten und findet letztendlich einen Dornenweg zu einem Trampelpfad,
der von dem verlassenen Dorf herunterkommt.
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Unter Schwierigkeiten gehen wir restlichen Pilger
wieder retour und rufen den Beiden zu, bis zum Parkplatz zu gehen,
um mit dem Auto nach Nerin zu fahren. Wir wollten uns dorthin begeben.
Wir gelangen zurück auf unseren alten Pfad, müssen wieder
in die Höhe und sehen vor uns in einiger Entfernung das rettende
Dorf. Da der Weg sehr schmal ist, gehen wir im Gänsemarsch mehr
oder weniger schweigend hintereinander. Plötzlich ertönt
von Heiko, der vor mir geht, ein Ruf: "Vorsicht Brücke,
nicht nach links oder rechts sehen!" War ich vorher noch in Gedanken
versunken, nun war ich wach, sah neben mir die unendliche Tiefe -
waren es 10 oder 100 oder noch mehr Meter? - und hatte keine Zeit
zum Denken. Wie ein Zombie bewegte ich mich über diesen geländerlosen
Steg und erreichte schließlich das rettende Ufer - mit zitternden
Knien und schweißnassen Händen. |
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Ziemlich k.o. fallen wir
in Nerin in die nächste Bar, die "Añisclo Albergue"
und löschen unseren Durst mit Cerveza con Limon = Alsterwasser
de española. Dann warten wir auf das Auto mit Kurti und Rolf.
Es dauert!Schließlich erscheint Rolf auf Schusters Rappen mit
2 Rucksäcken!
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| Er berichtet uns, dass er und Kurt sich getrennt
haben. Kurt wollte weiter in Richtung Parkplatz gehen und Rolf nach
Nerin. Auf der Zufahrtsstraße hat er dann ein Auto angehalten,
das ihn mit ins Dorf genommen hat. Nun warten wir auf Kurt mit dem
Wagen und werden langsam unruhig, da er eigentlich schon längst
hätte hier sein müssen. |
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Darum beschließen
Erich und Heiko, zu Fuß in Richtung Parkplatz und damit Kurt
entgegen zu gehen. Nach ca. 15 Minuten kommt der "verlorene"
Sohn und berichtet uns von dem Problem, auf die richtige Straße
zum Auto zu gelangen. Na, Gott sei Dank ist nichts passiert! Eigentlich
waren wir doch alle ein wenig in Sorge und sind nun richtig erleichtert. |
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Kurt nimmt uns Weibsen und Rolf im Auto mit hinunter,
und an Erichs Wagen treffen wir uns alle wieder. Nun geht es auf
dem schnellsten Wege nach Laspuña. Der Versuch von unterwegs,
Maria mit dem Handy zu erreichen, um ihr den Grund unserer Verspätung
zu nennen und ihr damit die Sorge um uns zu nehmen, scheitert, da
in den Bergen absolut kein Funknetz zu finden ist.
Um 20.15 Uhr, bei Dunkelheit, erreichen wir unser Ziel und Maria
ist - mit Recht - sehr besorgt und erregt. Immerhin haben wir eine
Verspätung gegenüber den anderen Tagen von ca. 2 Stunden,
da denkt man ja schon fast an das Schlimmste.
Wir konnten sie sehr gut verstehen, waren aber
ja alle schuldlos an dem Dilemma. Wir haben es ja nicht aus Jux
und Tollerei gemacht, denn dass dieser auf der Karte eingezeichnete
Weg nicht zu finden war und wir uns derart verlaufen würden,
war auch nicht beabsichtigt. Und Sorgen haben wir uns schließlich
auch um unsere beiden "Pfadfinder" gemacht. Am schlimmsten
war es sicher für Erich, der sich in gewisser Weise dafür
verantwortlich fühlte. Aber alles ist schließlich gut
gegangen und auch Maria wird sich bestimmt bald wieder beruhigen.
Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Rundgang
durch Laspuña, landen aber beizeiten in der Bar Sidora, da
wir eigentlich noch mit Erich und Maria rechnen. Aber bei den Beiden
ist wohl heute dicke Luft. Da sie nicht erscheinen, beenden wir
diesen ereignisreichen Tag um Mitternacht.
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