6. Tag
15. September 2000
Freitag
Valle de Pineta
 
Heute geht es um 9.30 Uhr los. Wir fahren mit zwei Autos über Lafortunada und Bielsa in das Valle de Pineta. Am Ende des Tals, vorbei am Parador Hotel, parken wir die Autos, steigen in unsere Wanderstiefel - und los geht's.
200 m steiler Aufstieg liegt vor uns, es ist anstrengend, ich schnaube wie ein Walross - wie immer bei dieser Art Anstrengung. Oben angekommen werden wir für die Strapazen belohnt, denn wir können auf den Gletscher des Monte Perdido (dritthöchster Berg der Pyrenäen) sehen.

 

 

Unterhalb sehen wir viele große und kleine Wasserfälle, die Quellen des Rio Cinca. Es ist schon ein imposanter Anblick, wie sich die Wassermengen über Kaskaden ca. 1000 m in die Tiefe stürzen!
Dann gehen wir über das Hochtal des "Llanos de Lalarri", eine wunderschöne Almwiese in 1400 m Höhe, hören das Pfeifen der Murmeltiere, aber leider bekommen wir keines dieser scheuen Tiere zu Gesicht, obwohl wir uns leise verhalten. Es lassen sich auch keine Gämsen blicken.
Wir machen Picknick im ausgetrockneten Flussbett unter einem schattenspendenden Baum. Anschließend steigen wir gestärkt über das Geröll zum Wasserfall mit dem Lagos de La Larri. Beeindruckend!
Auf dem Rückweg stellt Rolf plötzlich fest, dass sich bei einem seiner Wanderstiefel die Sohle gelöst hat. Was nun machen? Er versucht zunächst, mit einer Mullbinde Schuh und Sohle zu umwickeln. Mal sehen, wie lange das hält. Auf der Almwiese liegen die Rinder und Kälber faul rum und lassen
sich auch durch uns nicht stören. Wir gehen quer durch die Herde, die ohne Hirte zu sein scheint. Erich führt uns zum Refugio, einer Schutzhütte für Hirten und Wanderer. In diesem befindet sich ein Kamin sowie Heu und Stroh, auf dem man schlafen kann. Am Gatter entdecken wir Band für den Schuh von Rolf, und beim Befestigen stellt er fest, dass sich auch der zweite Schuh auflöst. Der wird nun ebenfalls "bandagiert", und unsere Wanderung

 

 

geht weiter zum Wasserfall des La Larri. Wie Erich uns mitteilt, fällt hier normalerweise so viel Wasser,

dass man auf der Brücke unweigerlich nass wird.Heute stehen wir hier in der herrlichen Sonne, genießen den Anblick des sich in die Tiefe stürzenden Wassers und bleiben vollkommen trocken.

Hinter dem Wasserfall trennen wir uns. Ilse, Rolf und Kurti nehmen den steileren Weg direkt neben dem Wasser. Erich, Gitta, Heiko und ich gehen die Alternative, die zunächst an der Straße und dann am Rio Cinca entlang führt. Auf dem Parkplatz treffen wir uns dann alle wieder, wechseln die Schuhe und fahren zum Hotel Parador im Valle de Pineta, um uns eine Erfrischung zu genehmigen. Die Paradores sind staatliche Hotels in besonders reizvollen Lagen und mit einem gehobenen Standard. Leider ist in diesem Parador die Terrasse vollständig in der Sonne, ohne Sonnenschirm und die großen Markisen werden für uns nicht extra ausgerollt. Schade, die müssen nun auf unseren Besuch verzichten. Ilse und ich benutzen noch schnell die sehr edlen Toiletten, dann fahren wir ein paar Meter weiter zum Refugio de Ermita Virgen de Pineta. Dort setzen wir uns auf die Steinmauer und verzehren unsere restlichen Lebensmittel (Tortilla española).

 

In Bielsa machen wir Halt in der Centro Ciudad. Ich kaufe mir ein After Sun, und auf dem Plaza Mayor sitzen wir eingerahmt von Franzosen und trinken eine Erfrischung.

Abends in der Casa Sidora gibt es pasta con salsa, sardinas fritas y postres.
Um 22 Uhr kommen Erich und Maria zum abendlichen Klönschnack.