5. Tag
14. September 2000
Donnerstag
Plan - Gistain - Serveto - Plan

Auch heute gibt es zum Frühstück wieder Käse und Wurst. Hat die Señora nun verstanden, dass wir etwas mehr Abwechslung lieben als nur Marmelade und Mantequila? Hoffen wir es mal.
Auch bekommen wir jetzt neben den Tostados - den teilweise recht verbrannten Brotscheiben - einen Teller mit "pan de ayer" - Brot von gestern.

 

Anschließend fahren wir mit 3 Autos über Lafortunada (die Bevölkerung des Dorfes besteht nur aus Arbeitern des hier ansässigen Kraftwerkes) nach Plan. Hier bleibt Erichs Wagen stehen, mit den restlichen Autos fahren wir die 5 km sich in Serpentinen windende Straße über San Juan de Plan nach Gistain. Jetzt befinden wir uns in 1400 m Höhe und können den zweithöchsten Berg der Pyrenäen, den 3370m hohen Pico de Posets, sehen.
Nun wandern wir auf dem GR 19, dem überregionalen Wanderweg, der langsam auf 1500 m ansteigt. Unter uns sehen wir die schiefergedeckten Häuser der Dörfer Plan, San Juan und Gistain. Nun gehen wir durch den Barranco la Salina langsam wieder abwärts. Es ist etwas mühsam, da sich in dem Flußbett nur Geröll befindet. Unsere Wanderstiefel erweisen sich nun als pyrenäentauglich, wir brauchen keine Angst von dem Umknicken zu haben.
Neben dem "Weg" befinden sich Weiden und Wiesen, es ist ein richtiges Hochtal mit der entsprechenden Vegetation. Heiko verschwindet plötzlich nach links hinter einer Hecke - und wir finden ihn in einer - leeren - Emaillewanne wieder! Ja, nun ist die Wanne voll! Schnell wird ein Erinnerungsfoto geschossen, dann geht es weiter stetig bergab.  
So erreichen wir Serveto, das Dorf in 1300m Höhe mit auch nur noch 6 Bewohnern.An der Rückseite der Kirche nehmen wir auf einer Steinmauer unser Picknick zu uns. Ein älteres Ehepaar kommt auf uns zu und fragt in - schlechtem - Spanisch nach einer bestimmten Person. Aber leider können wir nicht helfen, Erich verweist sie an den zuständigen Priester.
Nach dem Picknick bedienen Ilse und ich uns an den Samen der wunderschönen Stockrosen im Kirchengarten. Der liebe Gott hat wohl ein Einsehen mit uns, dass wir dem nicht widerstehen können. Die Blumen sind einfach zu schön, und wenn die Samen in unseren Gärten aufgehen, haben wir doch gleichzeitig eine schöne Erinnerung an Serveto.
Nach dieser Rast geht es weiter über den Barranco la Salina auf dem PR-HU 37, der ansteigend auf 1400m um den El Collet herumführt. Der Weg ist schmal, fällt nach einer Seite steil ab und wird teilweise von Geröllmassen, die sich von oben gelöst haben,
 
bedeckt. Das Überqueren ist dann schon etwas mühsam, zumal - wenn man nicht kopffest ist, so wie ich - man unweigerlich von der Tiefe angezogen wird! An einer solchen Stelle klettere ich mit zitternden Knien und feuchten Händen auf allen Vieren über so eine Fläche - und bin erleichtert (und auch ein wenig stolz!), dass ich heil angekommen bin. Ich stelle daran fest, dass man doch mit seinen Aufgaben wächst. Es gibt häufig Situationen, die hätte man gemieden, wenn man vorher darum gewußt hätte .So auch diese, nur jetzt hatte ich keine Wahl - ein Umkehren gab es nicht.

Wir gehen durch das breite Tal des Rio Cinqueta über Geröll, es ist wahnsinnig anstrengend und belastet die Kniegelenke. Als wir mit zitternden Beinen die Straße erreichen, wechseln wir die Seite und gehen neben dem Fluß entlang nach Plan.

Die Männer fahren mit Erich nach Gistain, um die beiden anderen Autos abzuholen, und ich gehe mit Grefes in die dortige Apotheke. Ich habe die Absicht mir Calzium Sandoz zu kaufen, das ja bekanntermaßen in Spanien um ein Vielfaches preiswerter ist als in Deutschland. So zahle für 60 Comprimidos "Calzium-Sandoz con D" nur 971 pts. ( DM 11,41). Ilse und Rolf kaufen sich Traubenzucker.

 

Dann treffen wir uns alle auf der Terrasse des Hostals "Mediodia", die dem gleichnamigen Berg (2400m) gegenüberliegt. Wir gönnen uns leckere flüssige Köstlichkeiten, die wir uns nach dieser anstrengenden Wanderung auch verdient haben.

Der Ort Plan ist vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geraten.Der Priester hatte in Erinnerung an den Film "Die Karawane der

Frauen" Busreisen für Frauen in diesen "frauenlosen" Ort organisiert. Das war ein voller Erfolg - einige sind dabei auch hängengeblieben. Auf jeden Fall wurde Plan dadurch in ganz Spanien (und über die Grenzen hinaus) bekannt - und diese organisierten Busreisen der Frauen finden seitdem jedes Jahr statt. Das ist dann ein wahres Volksfest und immer ein großes Ereignis.

Über Salinas und Lafortunada geht es zurück nach Laspuña.

Es folgt die Lagebesprechung für den nächsten Tag

Heute abend gibt es Sopa de Verdura, Trucha con bacon y postres.