4. Tag
13. September 2000
Mittwoch
Tella - Las Cazcarras - Escuain

 

Zum Frühstück gibt es auf unseren Wunsch auch Käse und Salami. Dann geht's mit zwei Autos (Kurt und Erich) nach Tella. Wir fahren durch das breite Tal des Rio Cinca in nördlicher Richtung. Es herrscht strahlender Sonnenschein bei schon sehr angenehmen Temperaturen von über 20 °. Über uns sehen wir eine Handvoll riesiger Vögel. Erich klärt uns auf, dass es sich hierbei um Lämmergeier handelt.

Diese auch Bartgeier genannten Raubvögel mit den "ausgefransten" Riesenschwingen waren früher als Kinderräuber und Lämmermörder verachtet.

In Tella leben von den einst 300 Menschen heute noch 16! Dort wollen wir uns eine Multimediashow über den Nationalpark Pyrenäen ansehen. Leider ist der Projektor kaputt! Das ist ärgerlich - zumal die Show höchst interessant sein soll.

Wir besichtigen das Museum und sehen alte Wohnungseinrichtungen, Gebrauchsgegenstände und Lebensgewohnheiten der Menschen dieser Region.

Der Kirche ist ebenfalls ein Museum angeschlossen, an dessen Existenz Erich maßgeblich mitgearbeitet hat - und es auch in Zukunft noch tun wird.

Dann beginnt unsere Wanderung rund um den Berg Las Cazcarras mit seinen drei romanischen Kirchen, nur unsere Rucksäcke bleiben im Auto.

Wir treffen auf eine kleine und uralte Kapelle. Der Priester aus Tella beabsichtigt, im Jahre 2019 ein Fest zu organisieren für 1000 Personen, da diese Kapelle dann 1000 Jahre alt wird! Heiko und ich wollen auf jeden Fall dabeisein - wenn mir noch können!! Wir machen ein Gruppenfoto, Kurt versucht, den Berg zu "erklimmen", kommt dem Gipfelkreuz bedrohlich nahe - und kehrt um.


Von dieser Stelle aus können wir einen Blick auf die Gipfel der "Tres Marias" werfen. Gewaltig, dieses Panorama. Der Weg führt weiter bergauf, und an der Spitze machen wir eine Fotopause.

Wir blicken in den gewaltigen Abgrund und sogar ich wage mich dicht an diesen heran, wobei ich mich allerdings krampfhaft an den einbetonierten Pfahl klammere. Es herrscht eine sagenhafte Sicht und Stille, beeindruckend ist der Blick bei sommerlichen Temperaturen und wolkenlosem Himmel.

Der Rundweg dauert ca. 2 Stunden, dann machen wir Picknick hinter der Kirche auf der Terrasse der Einliegerwohnung des Priesters. Wir nehmen hier auch die von Erich gestrichenen Fensterrahmen und die Tür in Augenschein. Wir sitzen bei herrlichem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen "fürstlich" auf einer Holzbank sowie auf Gartenstühlen, als Tisch dient eine riesige Steinplatte.

Die Hoffnung auf eine zwischenzeitlich stattgefundene Reparatur des Diaprojektors zerschlägt sich, der Techniker war nicht hier. Auf die Frage: wann? wird mit einem Achselzucken geantwortet:

no sé = ich weiss es nicht!

Danach steigen wir gestärkt, aber müde, in unsere Autos und fahren zum nächsten Haltepunkt. Es ist das Restaurant "Lamiana", und wir trinken zum Wachwerden jeder einen Cortado. Als wir uns mit unseren Autos in Bewegung setzen, werden wir von dem Haushund laut bellend begleitet. Er beisst sogar in die Stoßstange, aber letztlich kann er nicht verhindern, dass wir unseren Weg fortsetzen. Er trollt sich langsam wieder in Richtung Heimat.

Frisch und wach starten wir unsere nächste Wanderung - entlang der Schlucht von Escuain (Gargantas de Escuain) . Wir kommen in den Bereich des Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido und verweilen an den drei Miradores mit grandiosen Blicken in die steil unter uns liegende Schlucht. Dort hat sich der Rio Yaga tief ins Kalkgebirge gefressen.
Am Ende der Straße machen wir einen Besuch im verlassenen Dort Revilla. Ein Haus ist restauriert, es ist das Geburtshaus der Präsidentin des Roten Kreuzes im Senegal, alle anderen sind zum Teil zerfallen - aber alle leer. So ein ausgestorbenes Dorf mutet schon eigentümlich an - schließlich ist auch das mal mit Leben erfüllt gewesen.

Nach einer kleinen Trinkpause auf der Mauer eines verlassenen Grundstückes geht es wieder weiter, aber diesmal nur bis zum "Lamiana", dort gibt es eine Erfrischung. Während wir dort sitzen kommt ein Bauer mit einem Mutterschaf und einem frisch geborenen Lämmchen. Er trägt es wie einen Beutel an den Vorderläufen. Beim ersten Stehversuch knickt das Kleine in den Beinen ein, es ist wirklich ein rührender Anblick.

In Laspuña angekommen sitzt Maria schon auf der Bank am Marktplatz und wartet auf uns. Sie ist - naturalmente - begeistert, dass wir von ihrem Land begeistert sind.

Abends in der Casa Sidora gibt es Conejo á la Navarra, es schmeckt wieder hervorragend.

Wir beschließen den Abend mit einem Klönschnack auf der Terrasse der Bar.