|
|||||||
|
Heute morgen ist der Himmel bedeckt und als wir um 9.15
Uhr zum Frühstück erscheinen, regnet es. Nach dem Frühstück
nehmen wir unser Picknickproviant in Empfang. Aber leider ist alles in
großen Gefäßen verstaut worden, die wir ja nie und nimmer
in unseren Rücksäcken unterbringen können. Die Señoras
der Casa Sidora denken, dass wir mit dem Auto unterwegs sein werden, um
dann irgendwo Picknick zu machen. Ein Spanier kann sich nicht vorstellen
zu wandern, das machen nur die blöden Touris. Erich kommt mit ein
paar kleineren Tupper-gefäßen aus seinem Haushalt, in die wir
den Reissalat umfüllen. Der Rest wird aufgeteilt, und dann geht es
mit 3 Autos los. Erichs Wagen bleibt in Labuerda auf dem Parkplatz des
- einzigen -Hotels stehen.
Wir gehen durch die Stadtmauer in das Innere.
Wir befinden uns nun in der Mitte einer Anordnung von wunderschön
restaurierten alten Häusern um den großen Platz herum, auf
dem zu den Bars und Restaurants gehörende Tische und Stühle
stehen. Hier herrscht eine sehr schöne Atmosphäre. Sie hat ein beeindruckendes Gewölbe, und da sie auch als Wehrkirche diente, gibt es keine Fenster, nur schmale Schlitze als Schießscharten. In der Krypta finden bei schwacher Beleuchtung die Taufen statt. Anschließend "erklimmen" wir den Turm über einen sehr engen und niedrigen Gang. "Todesmutig" steige ich am Ende die freistehende und lange Treppe mit offenen Stufen nach oben, durch die man durch den ebenfalls offenen Fensterbogen auf die Stadt Ainsa sehen kann. Und am Ende knalle ich mit dem Kopf ganz fürchterlich gegen die Steindecke! Ich hatte mich so darauf konzentriert, schwindelfrei oben anzukommen und dabei die mangelnde Deckenhöhe unterschätzt. Na ja, es ist schon ein tolles Gefühl, wenn der Schmerz nachläßt.
Oben bietet sich uns ein sagenhafter Überblick über Ainsa und die Umgebung. Auf den Dächern der Häuser sieht man die typischen aragonesischen Rundschornsteine mit der Figur auf der Spitze. Eine Legende besagt, dass die Hexen durch den Schornstein in das Haus kommen und ist auf diesem eine Figur, dann erkennt die Hexe, dass das Haus bereits besetzt ist. Beim Blick von oben auf die wunderschönen alten Häuser erkennt man aber, dass es teilweise wirklich nur Fassaden sind, die restauriert wurden. Nach hinten sind die Häuser z.T. noch kaputt und zerfallen. Alles dauert eben seine Zeit und kostet Geld, aber was hier bis jetzt geschafft wurde, ist schon bemerkenswert. Wir lassen nun die beiden Autos auf dem Parkplatz am Rande der Altstadt stehen und steigen in unsere Wanderstiefel. Nun beginnt unsere erste "echte" Wanderung nach San Vicente. Auf der Wandertafel ist als Gehzeit 1 Std. 48 Min. angegeben, Erich meint, man benötigt mindestens die doppelte Zeit.
Als wir unseren Weg fortsetzen bemerken wir dunkle Wolken, bald hören wir leichtes Donnern. In San Vicente, einem Dorf mit nur noch 11 Einwohnern - von vormals 200 ! -, nehmen wir auf der Terrasse mit Eternitüberdachung Platz, packen unser Proviant aus und bestellen dazu Vino und Wasser. Erich nimmt Tapas (aceitunas, queso, salami y salchichon). Wir sind glücklich und genießen - dann erreicht uns das Gewitter mit Hagel, Blitzeinschlag am Nachbarberg usw. Wir ziehen unsere Regenjacken an und staunen über die Wetterentwicklung. Das ist ja der reinste Weltuntergang, dabei hatten wir doch eben noch herrlichsten Sonnenschein! Aber der Regen und das Gewitter ziehen bald weiter - und wir auch.
Abends essen wir als Vorspeise Caldo (Nudelsuppe), dann gemischte Gemüseplatte (Paprika, Zwiebeln, Gurken und Tomaten). Beim Würzen des Gerichtes öffnet sich bei Kurti der Deckel des Pfefferglases - und der Inhalt bedeckt einen großen Teil des köstlichen Gemüses!
Zunächst blickt der nun "scharfe" Kurti entgeistert auf seinen Teller, dann fangen wir alle schrecklich an zu lachen! Ja, wer den Schaden hat - spottet jeder Beschreibung! Kurt minimiert diesen und isst trotzdem mit Genuss weiter. Danach gibt es Cordero (Lamm) für Chrosts + Heiko, Trucha (Forelle) für Rolf, Calamares romana (Tintenfischringe gebacken) für Ilse und mich.
|
||||
|