2. Tag
11. September 2000
Montag
1. Rundgang um Laspuña

Frühstück gibt es um 9 Uhr, es ist etwas spärlich mit Mantequilla, Marmelade und Madalenas. Dazu gibt es geröstete Scheiben Weissbrot - Tostados.

Um 10 Uhr treffen wir uns mit Erich auf dem "Marktplatz" vor Marias Haus. Wir steigen in unsere Wanderstiefel, verstauen die leichten Schuhe im Auto und auf geht's zu unserer ersten Wanderung "Rund um Laspuña".

Wir verlassen den Ort in nördlicher Richtung, kommen vorbei an einem Hof mit Rindern, jungen und alten. Ein Jungstier hat die Herde verlassen und spaziert nun vor uns auf der asphaltierten Straße. Der Bauer versucht, das Tier einzufangen. Wir bleiben ein wenig zurück, und nach einigen Mühen gelingt es ihm, den Ausflug des Stieres zu beenden. Das Tier kehrt zur Herde zurück, und wir setzen unseren Rundgang fort.


Wir überqueren leere Barrancos , das sind Flussbetten für Schmelzwasser. Nach dem 3. Barranco biegen wir links ab. Wir finden am Wegesrand wild wachsende Kräuter (Rosmarin, Majoran und Thymian) und machen unter einer Steineiche Rast. Wir kommen an den Rio Cinca und machen dort eine kleine Pause, die Kurt nützt, um in das klare Wasser zu springen, nur in der Unterhose - einfach skandalös !!

Unser weiterer Weg führt uns teilweise durch das Flussbett. Über uns kreisen Milane - Greifvögel mit dunkel- bis rotbraunem Gefieder, langen und schmalen Flügeln und einem gegabelten Schwanz. Majestätisch und mächtig drehen sie ihre Runden über Laspuña am Fuße des Peña Montañesa. Und unten an der Brücke finden wir Kurtis Auto. Zu dritt zwängen wir Weibsen uns auf die Rückbank, und so kommen wir wieder nach oben in "unser" Dorf Laspuña. Heiko und Rolf gehen zu Fuß - Platzmangel im Auto.

Um 14 Uhr gibt es Essen (Suppe, Steak mit gebackenen Auberginen und Pilzen, als Postres Tarta Cuajada). Danach sind wir alle pottsatt!

Grefes und wir ziehen danach um in die größeren Zimmer. Nun haben wir einen wunderschönen Blick auf die Berge und den Rio Cinca - es ist traumhaft. Wir machen Siesta, und um 18 Uhr will Erich mit uns einen weiteren Rundgang durch Laspuña machen.

Treffpunkt ist wieder der Marktplatz (Plaza Bario Viejo). Maria sitzt vor ihrem Haus auf der Bank und winkt uns zu. Es ist wirklich ein Jammer, dass sie diesen Unfall hatte und nun nicht mit uns kommen kann. Sie fehlt uns doch sehr!

Wir erfahren, dass Laspuña 213 Einwohner hat und zur Gemarkung Sobrarbe gehört. Die Ortschaft setzt sich zusammen aus Laspuña, Ceresa, El Casal und Socastiello mit zusammen 280 Bewohnern. Sie liegt in 720 m Höhe im Tal des Rio Cinca am Rande des "Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido".

Erich führt uns vorbei am Haus des Schlachters (dieser sitzt vor seinem Haus), des Wildschweinjägers, von dort können wir das Dach von Marias Haus sehen und dabei auch die Tiefe des Gebäudes. Wir kommen vorbei am Friedhof (cementerio), auf dem auch Marias Mutter begraben ist, sowie am Schwimmbad, das leider geschlossen ist, da sich kein Mensch findet, der für 4 Monate im Jahr den Job des Bademeisters übernehmen will.

Einige Häuser in Laspuña sind restauriert, andere total zerfallen, Bewohner sitzen teilweise vor ihren Häusern und klönen oder handarbeiten, und auf dem Plaza Major spielen die Kinder Fußball.

Wir fahren mit 2 Autos nach unten zur Brücke und gehen nun am Rio Cinca entlang. Erich zeigt uns das Flößermuseum und erklärt uns den Aufbau eines Floßes anhand eines dort aufgestellten. Marias Vater ist Flößer gewesen und hat die Baumstämme aus den Wäldern mit dem Floß über den Rio Cinca und den Ebro zum Mittelmeer gebracht. Das ist eine sehr, sehr schwere körperliche Arbeit gewesen, die den Menschen sehr viel abverlangt hat. Erich hat in vergangenen Jahren auch schon am Bau der Flöße mitgewirkt. In Laspuña findet alljährlich das Flößerfest statt, und bei diesem ist Erich immer sehr aktiv dabei.

Blick vom Rio Cinca auf Laspuña (oben) und den Major (unten).

Wir laufen weiter bis Escalona, dort setzen wir uns in eine Bar und trinken eine Kleinigkeit, bevor wir den Weg nach Hause wieder einschlagen. Auf dem Heimweg überholt uns die Lehrerin aus dem Dorf, die Erich freundlich grüßt. Tja, man kennt Erich hier, er ist ja fast einer von ihnen. Mit jedem schnackt er und alle mögen ihn.

Um 21 Uhr gibt es - Gott sei Dank - wieder etwas zu essen.
El primero plato es Caldo (Fleischbrühe), segundo Judios verde (grüne Bohnen mit Kartoffeln), Merluza mit grünem Salat. Auf die Frage nach dem Nachtisch antwortet Kurt mit einem breiten Grinsen "Finito de la Musica". Er ist satt! Mireia, unsere nette und freundliche Camarera, muss auch darüber lachen - genau wie wir. Wir anderen entscheiden uns für Eis (helado) als Verdauungshilfe.

In der Bar der Casa Sidora nebenan trinken wir noch eine Flasche Vino tinto, dann ist Zapfenstreich.