14. Tag
Dienstag
10.05.2005
 
Rabanal del Camino - O Cebreiro
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Wir frühstücken im Hotel, die Münchner Reisebegleitung ist auch schon da. Es ist heute grau und kühl, und wir starten um 9:30 Uhr Richtung Ponferrada bzw. O Cebreiro.

Am "Hundedorf" Foncebadón machen wir einen Stopp. Es werden hier die eingefallenen Steinhaus-Fragmente mit einem Frontlader abgetragen. Anscheinend will man dieses uralte und tote Dorf erneut zum Leben erwecken. Beim Weiterfahren entdecken wir ein neues Haus (ein Restaurant), über das wir später erfahren, dass es sehr schön und modern eingerichtet sei.

In Serpentinen schraubt sich die Strasse nach oben,
bis zum höchsten Punkt unserer gesamten Reise,

dem Cruz de Ferro mit 1504 m!

Es handelt sich hierbei um ein Eisenkreuz auf einem Holzmast, zu dessen Füßen von jedem Pilger traditionell ein mitgebrachter Stein aus der Heimat niedergelegt wird.

Auch wir folgen diesem alten Pilgerbrauch und deponieren jeder einen Stein aus unserem Garten am Fuße des Kreuzes.

Unsere Fahrt weiter geht teilweise durch die Wolken.

In dem Ort Manjarin treffen wir auf die allein pilgernde Freundin unserer Reisebegleitung (sie heißt Marlies, ansonsten wissen wir nichts voneinander).
Manjarin
Acebo
Die Landschaft ist atemberaubend, die Vegetation faszinierend! Und hin und wieder regnet es leicht bei nur 9 °! In Acebo sehen wir auf der linken Seite das "Denkmal" für den hier zu Tode gekommenen deutschen Fahrrad-Pilger Heinrich Krause. Ein Foto ist schnell geschossen und weiter geht's.

In Molinaseca machen wir eine Kaffeepause und Marlies lädt uns ein zu einer "Brotzeit" mit Schinken und Käse. Als wir gestärkt das wunderschöne Lokal verlassen, gießt es wie aus Eimern. Hier befindet sich eine schöne romanische Brücke, und während ich schnell ein Foto schieße, fährt Heiko das Auto rückwärts an das Haus heran, so dass wir Ladies fast trockenen Fußes und Hauptes einsteigen können.

Bis Ponferrada wird es nicht weniger mit dem Regen. Dort halten wir nach der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Templerburg Ausschau und fahren darum Richtung "centro ciudad". Die Innenstadt ist auch hier natürlich wieder nicht für Autos zugelassen, darum parken wir am Rande der Stadt und gehen mit Regenzeug bekleidet ins Zentrum. Im Ayuntamiento erfragen und erfahren wir den Standort der Tourist-Information und dort den Eingang zur Burg. Es regnet noch immer, es ist grau und mies.

Die Burg enttäuscht uns, die Erwartungen waren wahrscheinlich zu hoch. Auch unsere Begleiterin kennt das Buch "Der Jakobsweg" von Coelho, in dem eine wichtige Szene in der Templerburg geschildert wird. Unsere Phantasien reichen nicht aus, um sich diese Szene in diesen Ruinen vorzustellen. Schade!

 

 

Zum Abschluss trinken wir noch einen Kaffee an der Plaza de Ayuntamiento,
dann gehen wir zu unserem Auto, verabschieden uns von Marlies; sie schnappt sich ihren Rucksack, um in einem Hotel an der Plaza Ayuntamiento auf ihre Freundin zu warten.

Heiko und ich setzen nun unsere Fahrt fort mit dem Ziel O Cebreiro; ca. 50 km liegen noch vor uns.

Die erste Hälfte bis Villafranca del Bierzo
fahren auf der N-VI / N-120. Die sehr enge Ortsdurchfahrt mit einem alten Stadtkern ist beeindruckend. Danach geht es auf der N-VI immer über - neben - und unter - der neuen Autobahn A 6 entlang.

Atemberaubende Einblicke, Ausblicke, Brückenkonstruktionen der Autobahn offenbaren sich uns, und wir schrauben uns immer höher.

So erreichen wir um 16:00 Uhr O Cebreiro in 1300 m Höhe, den ersten Ort in Galicien. Ab hier wird nicht mehr Castellano (Spanisch) gesprochen, sondern das völlig eigenständige Galicisch (eine mit dem Portugiesischen verwandte Sprache). Man versteht uns aber!

Wir parken das Auto an der Kirche und finden "unsere" Meson Anton in diesem winzigen Dorf sehr schnell. Unser vorgebuchtes Zimmer liegt im Obergeschoss des kleinen Hauses und hat Dachschrägen und dicke uralte Balken an der Decke. Einfach, aber unheimlich urig!
Meson Anton
traditioneller Palloza

Wir machen einen Rundgang durchs Dorf bei Regen, hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die kleinen strohgedeckten Bauernhäuser sind dem rauhen Bergklima angepasst. Hier sieht man noch eine Anzahl der traditionellen Pallozas, das sind runde Steinbauten aus Naturstein, über die sich ein hölzerner Dachstuhl mit heruntergezogenem Strohdach wölbt. Heute hat man Fenster und Türen eingebaut, früher beschränkte man sich auf Schlupfpforten.

Wir besichtigen die Kirche Santa Maria la Real mit dem "Wunder von Cebreiro". Folgende Begebenheit soll sich dort im 14. Jahrhundert zugetragen haben:

Ein Bauer aus einem nahegelegenen Dorf stieg eines Tages trotz eines heftigen Schneesturms zum Cebreiro hoch, um die Messe zu hören. Ein Zelebrant, ein Mönch, mit dessen Glauben es nicht weit her war, verachtete insgeheim den frommen Mann für das Opfer, das er auf sich nahm. Während der liturgischen Wandlung wurde die Hostie zu Fleisch und der Messwein zu Blut und verfärbte das Altartuch. Dieses Wunder ließ den gottlosen Mönch in großer Ehrfurcht den rechten christlichen Weg einschlagen.

Der "galicische Gral" , wie der Kelch genannt wird, ist in der Kirche für die Gläubigen ständig ausgestellt.

Die Atmosphäre in diesem kleinen Gotteshaus hat auch für uns "kühlen" Protestanten etwas Mystisches,
dem man sich nicht entziehen kann.

 

Der gesamte Ort steht heute unter Denkmalschutz. Hier beruft man sich auf keltische Ursprünge. Dies macht sich in den Auslagen der beiden Souvenirläden bemerkbar, aus denen darüber hinaus auch permanent "entsprechende" Musik erschallt.

 

Da wir an diesem Vormittag nur einen kleinen Imbiss (Brotzeit) zu uns genommen hatten, hängt unser Magen inzwischen schief, und wir bestellen uns in unserer "Meson Anton" einen Teller mit Jamon, Salchichón, Chorizo y Queso. Das ist gut und reichlich, nun brauchen wir kein Abendbrot mehr!

 

Zwischen den Regengüssen bewundern wir die grandiosen Ausblicke nach allen Seiten; ein riesiger Regenbogen bietet sich uns.

Sogar um 21:15 Uhr sind wir noch begeistert von dieser Stimmung bei untergehender Sonne.

 

Bis Santiago sind es noch 180 km. Unser morgiges Etappenziel Melide liegt ca. in der Mitte. Dort ist das Hostal "Xaneiro" bereits durch die
Wirtin der "Meson Anton" gebucht.

Der Tag heute endet früher als der gestrige - hier ist halt nichts los!

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