8. Tag
09.September 2001
Sonntag
Keszthely - Lengyeltóti (Kek-to)
Eisenbahn und Fahrrad (7 km)

 

In der Nacht gewittert es heftig, wir frühstücken mit Blick auf den Plattensee und den vom Himmel prasselnden Regen! In Regenklamotten stehen wir gestiefelt und gespornt mit unserem Gepäck in der Lobby des Hotels und blicken mit wahrer Begeisterung den Sturzbächen zu, die von den Dachvorsprüngen und Überdächern herniederstürzen.
  Aber unser Ernö hat ein Herz für uns arme Radler und disponiert die heutige Tour um. Unsere Räder kommen auf den Trailer, und wir marschieren durch den Regen in Richtung Bahnhof Keszthely. Anfangs "umschiffen" wir noch die vielen Pfützen, bis irgendwann die Füße sowieso nass und die trockenen Flächen der Wege verschwunden sind. Ernö kauft die Fahrkarten und wir besteigen den Zug mit dem Ziel "Balatonfenyes".
Von dort geht es weiter mit einer historischen Schmalspurbahn. Dieser Teil unserer Tour entspricht wieder dem Programm. Diese Bahn, bestehend aus Holzklasseabteilen, ist ausgerüstet mit einem Bollerofen. Der Schaffner kommt, heizt den Ofen an, und los geht die Fahrt durchs Hinterland. Es wird allmählich warm in unserem Museumszug. Ernö entledigt sich seiner Schuhe und wärmt seine Füße am Ofen.
Wir fahren durch unbewohntes Gebiet. Man glaubt, in dieser Walachei sei die Welt zuende und nach ca. 1 Stunde hält der Zug am Bahnhof "Czistapuszta". Wir verlassen unser kuschelwarmes Abteil und außer uns verlässt noch ein weiterer Fahrgast den Zug. Er wird von zwei Frauen, bekleidet mit Bademänteln, in Empfang genommen. Es handelt sich anscheinend um einen Kurgast, denn Czistapuszta ist ein (Thermal-)Heilbad.
Am Eingang zum Czistapuszta-Fürdö warten wir auf "unseren" Taxifahrer in der Person von Peter. Er bringt uns in zwei Partien zum nächsten Ziel, dem Museumsdorf Buzsak. Vorher hatte er schon unser Gepäck ans nächste Etappenziel, das Hotel "Kek-To" gebracht, um Platz im Auto für uns zu schaffen. - Und es regnet immer noch!
Eigentlich soll nun unsere Fahrt zu einem Winzer mit dem Fahrrad fortgesetzt werden, aber dies ist ein unmögliches Unterfangen. Bei dem regennassen und total aufgeweichten Untergrund ist nicht einmal Peters VW-Bus in der Lage, diese Strecke durch die Weinberge zu bewältigen. So kommt uns der Winzer höchstpersönlich als Retter mit einem allradangetriebenen "Ruski-Bus" entgegen! Und das ist eine Fahrt!!
  Zehn Mann in einem mit einer Holzbank und einem Küchenstuhl bestückten Gefährt schaukelt und schlingert in atemberaubender Weise durch das unwegsame Gelände, so dass man jeden Moment glaubt, umzukippen oder stecken zu bleiben. Wir lachen, kreischen und johlen um die Wette, und als wir das Fahrzeug verlassen, stellen wir fest, dass uns diese Story kein Mensch glauben wird. So etwas kann man nicht erzählen, das muss man erlebt haben!
Im reetgedeckten Bauernhaus werden wir mit Glühwein begrüßt und zu einem Gang in den Weinkeller eingeladen. Dort probieren wir einige Weine,
 

kredenzt vom Winzer persönlich.
Eigentlich sollte hier in den Weinbergen zum Mittag gegrillt werden, aber auch das fällt ins Wasser - sprich in den Regen.

Statt dessen gibt es im Haus einen leckeren ungarischen Eintopf, nämlich Paprikakartoffeln. Lecker!! Wir hauen mit gutem Appetit so richtig rein. Dazu gibt es Wein satt und als Abschluss Kaffee und leckeren Kuchen. Unsere Stimmung ist bombig, wir lachen und singen und sind einfach guter Dinge.
 

Inzwischen hat sich - oh Wunder - der Regen verflüchtigt, und wir machen einen kleinen Rundgang um die Gebäude, durch die Reben und naschen von den köstlichen Weintrauben.

Währenddessen macht Ernö ein kleines Nickerchen auf der harten Holzbank, denn auch so ein Tag ohne Radfahren ist anstrengend - man denke nur an das viele Essen und Trinken. Aber Anstrengung kann auch soooooo schön sein!

 

Mit dem Ruski-Bus geht es dann wieder wie auf dem Hinweg zurück nach Buzsak. Dort erwarten uns unsere Fahrräder. Nun radeln wir noch einige Kilometer bis zu unserem heutigen Tagesziel. Es handelt sich das Ferienobjekt Kek-to (Blauer See) in Lengyeltoti.

Die Krönung dieses Tages ist dann die Vorführung des Video-Films, den Volker seit Beginn der Radreise gemacht hat. Ach, herrlich zu sehen, wie wir uns teilweise gequält haben und andererseits unseren Spaß hatten.

Um 19 Uhr gibt es auch hier ein leckeres 3-Gänge-Menü, und danach ist wieder Klönen angesagt bis zum Zapfenstreich um 22 Uhr.

Hotel Kék-Tó
Kék-Tó Üdülöfalu
H-8600 Lengyeltóti
Tel: 0036 -85 - 330 - 422