5. Tag
06.September 2001
Donnerstag
Pusztacsalád - Magyarpolány
47 km

 

  Auch heute morgen haben wir wieder starken Wind und natürlich Regen. Unsere regendurchweichten Schuhe habe ich heute morgen mit Hilfe des Föhns ein wenig zu trocknen versucht - mit mäßigem Erfolg. Na ja, das Reinsteigen ist nun im Moment ein wenig unangenehm, aber man gewöhnt sich daran. Wenigstens meine Socken sind trocken, Heiko fährt wie immer ohne Socken. Ansonsten haben wir festgestellt, dass unsere Regenbekleidung die Nagelprobe bestanden hat - die Jacken und auch die Hosen haben keine Feuchtigkeit durchgelassen.
Start in Pusztacsalád
Heute ist als Schlussmann der Gerd auserkoren worden. Wir fahren durch kleinere Orte und auf dem Damm entlang, der parallel zum Fluss Raba verläuft.
Das ist ein sehr beschwerliches Unterfangen, der Untergrund ist durch den Regen sehr aufgeweicht, das Fahrrad gräbt sich zentimetertief in den Kiesuntergrund. Und das 4 Kilometer lang! Erschöpft erreichen wir alle irgendwann
  die "rettende Straße", ich war mal wieder die Letzte. Der arme Gerd musste immer wieder meinetwegen vom Rad und warten. Und wenn ich dann mal wieder an mir und meiner Kondition zweifelte, baute er mich auf und meinte, ich solle mich nicht durch die Schnelleren irritieren lassen, jeder soll so schnell fahren wie er kann. Das fand ich höchst ermutigend. Danke Gerd! - Auf dieser doch sehr unwegsamen Strecke hat Hans sich eine "Acht" in sein Vorderrad gefahren.
 
Nach einer Trinkpause geht es weiter, dem nächsten Picknickziel entgegen. Und da es immer noch erbarmungslos regnet, haben unsere beiden Reiseleiter einen ganz tollen Einfall. In dem nächsten Dorf befindet sich eine "Zwergenschule" und die Zweitklässler erhalten einen vorgezogenen Schulschluss, damit wir ihren Klassenraum nutzen können. Die kleinen Schüler sind happy, stellen sich ohne Aufforderung in Zweierreihen auf und werden mit strahlenden Gesichtern von der Lehrerin vom Schulgelände geleitet. Und wir dürfen es uns auf den Minitischen und -stühlen gemütlich machen. Zunächst entledigen wir uns unserer nassen Klamotten, dann "richten Ernö und Peter das Picknick". Wir beginnen wieder mit der Magenerwärmung und lassen die festen Köstlichkeiten folgen. Nach dem obligatorischen Kaffee mit Keksen geht es wieder hinaus ins "feindliche" sprich regennasse Leben.
Kampferprobt machen wir noch eine Trinkpause und aus den noch angekündigten 20 Kilometern werden nur wenige, dann erwartet uns ein Bus, um uns an unser heutiges Tagesziel - Magyarpolány - zu bringen.
 

Unser Bus hält vor dem Heimatmuseum, in dem wir mit rotem Glühwein begrüßt werden. Heute hier in Magyarpolany werden wir nicht in Hotels sondern in Privatunterkünften übernachten. Somit werden wir zusammen mit Ilse und Rolf zur Familie Spengler gebracht.

Heiko und ich übernachten in der Ferienwohnung, Grefes bekommen das Zimmer der Tochter im Haus der Gastgeber. Nach dem Auspacken, Duschen usw. erfolgt die Begrüßung durch die Familie. Frau Spengler spricht ein sehr gutes Deutsch, hat es in Kursen in Magayrpolany gelernt.

in Privatquartieren in Magyarpolány -
Kontaktperson Frau Hilda Mártonyi
Bakony u. 31.
H-8449 Magyarpolány
Tel: 0036 -88 - 231 - 722
  Man hat das Gefühl, sie freut sich, dass sie das Gelernte nun auch mal anwenden kann. Wir erfahren, dass ihre Eltern sogenannte Donauschwaben sind, die auch heute untereinander noch die Sprache pflegen. Herr Spengler spricht kein Deutsch, aber die Tochter lernt es in der Schule.

Sie traut sich nicht uns gegenüber zu reden, aber dolmetscht ihrem Vater unsere Unterhaltung mit der Mutter. Außerdem fahren die Spenglers jedes Jahr im Mai zum Spargelstechen nach Bayern. Das ist eine recht gute Nebeneinnahmequelle, denn die Verdienstmöglichkeiten in Ungarn sind eher gering.

Das Abendessen ist wieder für 19 Uhr angesetzt. Wir haben Probleme, uns von den Spenglers zu lösen, da die uns nicht gehen lassen wollen. Immer wieder werden unsere Gläser gefüllt und immer heißt es: "Das macht nichts, wenn Sie später kommen, der Koch ist mein Cousin."

  Als wir dann um 19.20 Uhr erscheinen, müssen wir uns doch von unseren Reiseleitern und Mitradlern ein paar Takte sagen lassen. Nundenn, wir haben es überlebt und hatten dafür einen netten Plausch mit Spenglers.

Unser 3-Gänge-Menü besteht heute aus Schichtkohl (lecker!), Kesselgulasch und Schomlauer Berg. Dazu gibt es Rotwein (die Rebsorte "Zweigelt") - satt. Leider schmeckt er uns nicht besonders, ist er eventuell "umgekippt"?

Es wird mal wieder ein lustiger Abend. Peter erzählt Witze und unsere Stimmung ist hervorragend.

Gegen 22 Uhr ist Feierabend, alle suchen ihre Betten für die Nacht auf, und wir marschieren zu den Spenglers.

Mein Gott, war das wieder ein Tag. Ich höre noch Kuno sagen: "Wenn ich das in meinem Club erzähle ........!"