9./10. Tag
23./24 August 1999
Montag/Dienstag
Budapest und Rückreise
 
 

Nach dem Frühstück kaufen wir uns eine Budapest-Card für 2 Tage, da man dann für die Stadtrundfahrt nur den halben Preis bezahlen muß.

Wir melden uns für eine Stadtbesichtigung an (um 14 Uhr ab Hotel) und fahren jetzt mit der Metro in die Innenstadt bis Endstation "Vörösmarty ter".

Wir haben herrlichen Sonnenschein und genießen den Anblick der Donau und - auf der anderen Flußseite - der Burg.

Über die Kettenbrücke gehen wir nach Buda und fahren mit der Standseilbahn zur Burg hinauf. Die Anlage ist beeindruckend. Der Burgpalast gewährt einen herrlichen Ausblick auf die Stadt

Er wurde um 1250 erbaut und erhielt sein barockes Aussehen im 18. Jh. Auf der Rückseite der Anlage sind noch große Ausgrabungsflächen zu sehen.

Wir gehen weiter zur Fischerbastei. In der Matthiaskirche finden Proben des Symphonie-Orchesters statt. Die Kirche ist wunderschön, es ist die Krönungskirche von Franz Joseph I. Er wurde hier 1867 mit Elisabeth von Österreich zum Kaiser gekrönt. Vor dem Gotteshaus befindet sich die Pestsäule - das Gegenstück zu der in Wien.

Da wir um 14 Uhr im Hotel sein müssen wegen der Abfahrt zur Stadtrundfahrt, kürzen wir den Besuch der Burganlage etwas ab und gehen über die Treppen hinunter nach Buda. Auf halber Höhe sehen wir einen Bus mit der Aufschrift "Elite-Reisen". Mensch, das sind doch Bergedorfer! Ein Wort zum Busfahrer und einigen anwesenden Reisenden bestätigt unsere Vermutung. Es handelt sich um eine Reisegesellschaft, die mit Elite-Reisen eine Rundfahrt durch Ungarn macht. Die Welt ist eben ein Dorf! Wir versprechen, Bergedorf einen Gruß auszurichten bei unserer Rückkehr.

In einem ABC-Markt kaufen wir uns Wasser und Brot und setzen uns an die Donau zum Picknicken.

Um 14 Uhr bringt uns der Transferbus zum großen Bus am Fuße des Parlamentes. Dort starten wir um 14.45 Uhr unsere Rundfahrt. Leider haben wir bei dieser Stadtrundfahrt keine Ermäßigung durch die Budapest-Card, die Vorteile gelten nur für andere Betriebe. Schade, wenn wir das gewußt hätten ...

Die Reiseleiterin heißt Susanne und hat eine "schwäbische" Großmutter. Sie erklärt uns "ihre" Stadt in deutsch und englisch. Sie bringt alles sehr anschaulich und plausibel, es wirkt nicht wie auswendig gelernt.

Wir fahren am Parlament - es wurde nach dem Vorbild der Londoner Houses of Parliament

1885 - 1902 gebaut - vorbei durch die Straßen von Pest, über die Margaretenbrücke (Margithid) mit Blick auf die Margareteninsel nach Buda.Vorbei am türkischen Bad fahren wir auf den Burgberg.

Oben verlassen wir den Bus und gehen gemeinsam in die Matthiaskirche, die als Krönungskirche eine wichtige Rolle spielte. Sie hat ein wunderschönes Dach aus farbigen Fliesen, die in der gleichen Art hergestellt wurden, wie die auf dem Dach des Stephansdoms in Wien. Weiter geht's vorbei an der Fischerbastei und mit Ziel und Blick auf die Zitadelle besteigen wir wieder unseren Bus. Wir umkreisen die Freiheitsstatue und haben anschließend einen 10-minütigen Fotostop.

Unsere Susanne kauft sich am Kiosk eine hübsch-kitschige Sonnenuntergangkarte vom Balaton. Auf unsere Frage nach zu befahrenen Straßen um den See, antwortet sie mit "ja" und gibt die Länge mit 360 Kilometern an.

Das war für uns das Stichwort und ab jetzt steht es für Heiko und mich fest: Nächstes Jahr radeln wir um den Plattensee mit unserem Gepäck auf dem Rad!

Wir fahren zurück nach Pest, am Bahnhof Keleti (ab hier fährt morgen unser Zug nach Wien) vorbei zum Stadtwäldchen (Liget = Name unseres Hotels) und zum Heldenplatz (Hösök tere) am Ende der Andrassy utca. Der Heldenplatz wird eingerahmt von zwei Museen. Auf der linken Seite vom Museum der bildenden Künste. Es befindet sich hier eine der größten Sammlungen spanischer Kunst, aber keine ungarischen Werke.
Auf der rechten Seite des Platzes befindet sich die Kunsthalle. Zeitweilige Ausstellungen zeigen Werke der bildenden Künste, des Kunstgewerbes, der Fotokunst der Industrieformgestaltung und der neuesten Kunstströmungen aus Ungarn und aller Welt. Wir machen noch einige Fotos von dem
36 m hohen Millenniumsdenkmal mit dem Erzengel Gabriel auf der Spitze, ebenso von der Säulenhalle mit den ungarischen Fürsten und Freiheitskämpfern, und natürlich von Arpad, dem landnehmenden ungarischen Heerführer.

Danach geht es zurück in die City. Wir verlassen den Bus am Hotel Interconti. Auf dem Vörösmarty-ter trinken wir ein echtes ungarisches Bier, denn wir haben mächtigen Durst.

Zum Essen gehen wir heute in den Keller "Pater Bonifac", der unserem Hotel gegenüber liegt und uns von Fritz wegen seiner moderaten Preis und urigen Atmosphäre empfohlen wurde.

Wir essen Rostbraten mit Zwiebeln (900 Ft) und trinken Weißwein (Olaszrisling) für 300 pro Liter. Anschließend zur Verdauung gibt es einen Barack Palinka. Oh, der ist lecker. Wir bitten um eine ganze Flasche für die Heimat, die wir morgen abholen wollen. Denn morgen mittag werden wir auch hier unsere Henkersmahlzeit einnehmen.

Gegen 22 Uhr verlagern wir unsere Aktivitäten in die Hotelbar des "Liget". Dort genehmigen wir uns noch 2 Flaschen Chardonnay, wovon garantiert eine Flasche zuviel war (Heiko weiß am nächsten Morgen nicht mehr, wie er ins Bett gekommen war, und Rolf kriegte augenscheinlich auch nicht mehr alle Details des Abends zusammen). Aber zum Abschluß unserer so erfolgreichen Radtour durfte man dann auch schon mal ein wenig intensiver feiern! Ich habe vor dem Zubettgehen noch bei Andrea angerufen, um ihr zu sagen, daß wir glücklich in Budapest angekommen sind.

 
10. Tag - 24. Aug. 1999 Dienstag Budapest - Hamburg / Rückreise

Wir, Heiko und ich, kommen mit 35-minütiger Verspätung zum Frühstück, was allerdings auf einem Mißverständnis beruht. Wir hatten gestern abend zunächst erwogen, heute statt 9 Uhr schon um 8.30 Uhr zu frühstücken, um danach die Koffer zu packen. Heiko und ich waren allerdings der Meinung, daß wir am Ende des Abends ob derer Heftigkeit wieder auf die zuerst angepeilte Uhrzeit von 9 Uhr zurückgekommen waren. Dafür hatten wir die Koffer schon vollständig vor dem Frühstück gepackt. - Sorry, aber wir haben es alle überlebt.

Wir können unser Gepäck an der Rezeption deponieren und fahren ein letztes Mal mit der Metro in die City. Die Metro in Budapest ist übrigens die älteste auf dem europäischen Festland. Sie ist eine Millenniumsbahn, nämlich 1896 fertiggestellt.

In der Vaci utca erweitere ich meinen Bestand an Kochbüchern um eines von Karoly Gundel und genehmige mir ein Buch über Budapest und Szentendre.

Wir schlendern zur Donau, und an den Marktständen kaufe ich für Nici ein T-Shirt. Ilse nimmt für ihre 4 Enkelkinder Trinkbecher. Dann genießen wir am Vörösmarty ter noch einen letzten Wein und fahren danach zum Etterem Pater Bonifac. In der Szondi utca besorgen wir uns noch Wurst und Brot zum Wein im Zug.

Der Tisch für uns ist schon eingedeckt, es stehen auch schon Gläser bereit.

Wir essen heute ein Gericht, das mit Kreide an die Innenseite der Tür geschrieben ist: "Sertespörkölt" = Schweinegulasch für 480 HUF, dazu Nockerln und Olaszrizling. Der Wirt hat für uns zwei Flaschen Barack-Pálinka bereitgestellt. Auf unsere Bitte füllt er uns noch eine Zwei-Liter-Flasche voll Wein für unsere Heimreise.

Danach holen wir unser Gepäck aus dem Hotel. Es ist jetzt 14.30 Uhr und unser Zug geht um 15.25 Uhr vom Keleti. An der Rezeption des Hotels ist man sich nicht ganz sicher, bis zu welcher Station wir mit der Buslinie 75 (fährt direkt vor dem Hotel ab) fahren müssen.

Dann nennt man uns als Ziel die Endstation. Bis dort sind es lt. Fahrplan 28 Minuten zu fahren, im Hotel sprach man aber von 15-20 Minuten. Das kann doch nicht so ganz stimmen! Aus dem Fahrplan kann ich nichts erkennen, was auf den Ostbahnhof Keleti hinweist. Darum bleibe ich vorne beim Fahrer stehen und versuche, von ihm die richtige Information zu erhalten. Aber hier handelt es sich um einen der ganz wenigen unfreundlichen Ungarn. Er reagiert überhaupt nicht, auch nicht auf englisch. - Er übersieht und überhört mich einfach!!

Wir fahren einige Stationen. Heiko, Ilse und Rolf stehen in der Mitte des Busses, dann steigt eine Dame ein, die ich auf englisch anspreche und die mir auch auf englisch antwortet.Ein Lichtblick! Aber ihr Englisch ist so wenig und so gebrochen, somit ist die Verständigung trotzdem mühsam. Sie schließt sich mit dem Busfahrer kurz, der i h r auch bereitwillig antwortet. Ich verständige mich mit ihr dahingehend, daß sie mir signalisiert, wenn wir die nächste Haltestelle aussteigen müssen.

Dann ist es soweit (es ist jetzt 15 Uhr), aber im Hinausgehen erfahre ich, daß wir in die Metro umsteigen müssen. Mensch, das ist ja etwas ganz anderes! Damit habe ich ja nicht gerechnet! Und wo sind wir denn überhaupt? Welche Metrolinie müssen wir hier nehmen, denn hier scheint ein Busbahnhof und ein Metroumsteigebahnhof zu sein.

Und in 25 Minuten fährt unser Zug nach Wien!! - Mit uns??

Jetzt bleibt uns nur noch ein Taxi. Heiko und Rolf gehen zum Taxistand und nach einigem Hin und Her sitzen wir im Auto und nach weiteren 5 Minuten sind wir am Ostbahnhof Keleti.

Leider hat uns dieser vorangegangene Streß etwas beeinflußt, somit beachten wir den neobarocken Bau aus Stahl und Glas, der in den Jahren von 1870 - 1877 von Gustave Eiffel gebaut wurde, nicht gebührend. Immerhin handelt es sich um einen der schönsten Bahnhöfe Europas!

Wir sind da, aber unser Zug noch nicht! Er rollt endlich mit 30-minütiger Verspätung ein.
Wir stürmen hinein, erwischen ein leeres Abteil und befördern unser Gepäck nach oben. Gott sei Dank, das hat ja noch gut geklappt.

Wir sitzen kaum, da kommt ein rothaariges Männlein mit Mami, 2 Koffern, Tasche und Golfrucksack, mit roter Baseball-Kappe auf verkniffenem Gesicht, ins Abteil. Er behauptet, reserviert zu haben, obgleich an der Tür keine Reservierung angezeigt ist. Aber das Problem haben andere Reisende auch, wie wir unschwer mit anhören können.

Das rote Männlein befördert sein Gepäck nach oben, auf unsere Koffer drauf, ohne ein Wort zu sagen. Auf die Bitte, den Koffer, der auf dem Gepäcknetz mir gegenüber oben drauf liegt zu entfernen, da beim Bremsen des Zuges er als Geschoß mit Sicherheit auf mir landen würde, reagiert er überhaupt nicht. Darum schnappt Heiko sich den Koffer mit der Bemerkung: "Ich will nicht, daß meine Frau erschlagen wird", und befördert ihn unter seinen Sitz. Darauf wird das Männlein (belgischer Herkunft) wütend, ergreift seinen Koffer und stellt ihn zwischen sich und seine Mami in den Türeingang.

Nach ca. 3 Stunden Fahrt - gegen 19 Uhr - erreichen wir Wien-Westbahnhof.
Bubi geht zum Zug nach Oostende, wir suchen unseren nach Hamburg-Altona. Er ist schon bereitgestellt, und wir können hinein, obgleich die Abfahrt erst um 19.45 Uhr ist.

Heiko und ich gehen noch zur "Getränkerückgabe" im Bahnhof und kommen dort mit einem Herrn ins Gespräch, der auch in Budapest eingestiegen ist. Er gehört zu einer Gruppe von 14 Personen, die schon ab Budapest Plätze reserviert hatten, aber die Reservierungen nicht angezeigt worden waren. Darum gab es bei 14 Personen natürlich massive Probleme

Unser Zug startet pünktlich, und wir beginnen mit unserem "Abendmahl". Spartanisch, lecker, hat was! Dazu Wein von Pater Bonifac. Es wird langsam dunkel, fast eine Stunde eher als auf der Hinfahrt.
Wir errechnen, daß wir gegen 21 - 21.30 Uhr Melk passieren müßten.Auf diesen Anblick der angestrahlten Stiftskirche sind wir doch sehr gespannt. Ich werde versuchen, vom Zug aus zu fotografieren. Darum schalte ich den Blitz schon vorsorglich aus, damit der sich nicht in der Scheibe spiegelt. Um nur nicht den richtigen Moment zu verpassen, löschen wir auch das Licht im Abteil. Wir warten und warten, glauben, nun ist es soweit, nein, noch nicht, aber jetzt kommt sie, aber wieder ist es eine andere angestrahlte Kirche. Ganz schön spannend, das Ganze! Melk läßt auf sich warten! Heiko schläft im Dunkeln schon fast ein. Dann läuft der Zug in den Bahnhof Linz ein, und damit steht für uns fest, wir sind an Melk vorbei. Entweder war die Stiftskirche nicht angestrahlt, was nicht sehr wahrscheinlich ist, oder der Zug ist eine andere Strecke und damit nicht über Melk gefahren. Schade, es wäre so schön gewesen!

Unser Nachtruhe beginnt eher als auf der Hinfahrt. Mit Mühe(!) leeren wir die Weinflasche und um 22.30 Uhr ist Zapfenstreich. Beim letzten Gang zum Klo stelle ich fest, das unser Abteil das letzte ist, das noch erleuchtet ist.

Diesmal klappen wir die mittleren Liegen hoch, die Männer legen dort ihre müden Glieder nieder, und Ilse und ich haben dadurch auf den unteren Flächen mehr Platz.

Diesmal finde auch ich etwas Ruhe. Die Bahnhöfe Passau und Regensburg verschlafe ich, in Nürnberg sehe ich aus dem Fenster. Auf dem gegenüberliegenden Gleis hält der Zug nach Oostende mit Männlein und Mami.

Das Bett ist wahnsinnig hart, darum ist für mich an einen festen Schlaf nicht zu denken. Trotzdem werde ich erst kurz vor Hannover wieder wach. Um 6.15 Uhr rollt der Euro-Night in den Bahnhof.

So langsam erwacht der Tag. Am Horizont ist ein breiter orangefarbener Streifen und der schwarze Nachthimmel ist inzwischen dunkelblau. Es liegt eine große Stille über den Feldern, und bei uns im Abteil ertönt das gleichmäßige Atmen und leise Schnarchen meiner Reisegenossen.
Ich lege mich noch ein wenig auf's Ohr, aber als der Schaffner mir die Fahrkarte in die Hand drückt mit den Worten "Bitte sehr, Frau Chefin", ist für mich die Nacht endgültig zuende.

Wir bauen unsere Betten zurück, legen die Bettücher und Decken zusammen, und gegen 7 Uhr kommt der Schaffner und kredenzt uns das Frühstück - 2 Brötchen, Marmelade, Butter und ein Becher Kaffee. Es schmeckt uns besser als auf der Hinfahrt, aber das liegt sicher an dem sehr freundlichen Schaffner.

Pünktlich um 7.48 Uhr fahren wir in den Bahnhof Hamburg-Dammtor ein. Um 8.00 Uhr kommt unsere S-Bahn und in Nettelnburg auf dem Bahnhof steht Grefes Schwiegersohn Ulrich, um uns und unser Gepäck nach Hause zu fahren.

So schnell vergehen 10 schöne Urlaubstage, von denen man sicher noch lange reden und schwärmen wird.

Für Heiko und mich steht fest: das war erst unser erster Ungarn-Radurlaub. Der nächste ist schon in der Planung, dann heißt es für uns wieder:
Ungarn - wir kommen!