7. Tag
21. August 1999
Samstag
58 km
Tata - Esztergom
 

Aufstehen bei Sonnenschein und blauem Himmel.

Das Frühstück ist etwas weniger reichhaltig als in den vorigen Hotels, aber es schmeckt uns trotzdem gut. Anschließend betrachten wir uns bei Helligkeit und Sonnenschein die anderen Räumlichkeiten, die gestern wegen der Hochzeitsfeier nicht zugänglich waren.

Um 9.30 Uhr starten wir, nachdem wir für Fritz noch einen Zettel an unser Gepäck gehängt haben mit dem Hinweis, "daß unsere Gangschaltungen im Eimer sind und wir dringend Hilfe brauchen".

Wir fahren durch Tata, an der Festung vorbei und weiter in Richtung Agostyan und damit geht's dann in die Berge.

Wir haben 5 Kilometer Steigung zu bewältigen. - Mein Gott, das ist nicht mein Ding!!

Ich habe das Gefühl, mir springt das Herz aus dem Hals, das Wasser läuft in Strömen aus allen Poren! Immer wieder steige ich vom Rad und schiebe es weiter. Nach einer ziemlichen Strecke meint Rolf, das sei nun die Spitze des Berges, die sei ganz klar zu erkennen.

Aber leider entspricht das nicht den Gegebenheiten, denn nach der nächsten Biegung geht es weiter bergauf! Nach unendlicher Zeit erreichen wir die wahre Spitze. Danach läuft es abwärts. Welch eine Wohltat!!! Es ist schon erstaunlich, man braucht 1 ½ Stunden, um auf den Berg zu kommen, und in 10 Minuten ist man unten!

Wir machen einen kurzen (Foto-)Stopp, dann geht es weiter durch eine wunderschöne Landschaft, die uns an den Kaiserstuhl erinnert. In den Tälern kleine Orte, man sieht fast nur die Kirchturmspitzen, dann wieder kleine Berge und immer "begleitet" uns der große Sendemast.Mal ist er links, mal rechts, aber immer sichtbar. Wir können auf der Karte nicht ausmachen, wo er wirklich steht.

Nach diversen kleineren Steigungen erwartet uns die nächste große, auch etwa 3 Kilometer lang. Diesmal schaffe auch ich die Spitze ohne abzusteigen. Nunja, man wächst halt mit den Aufgaben.

Danach geht es zunächst bergab durch Wald und Flur, und wir gelangen in den Ort Tarjan. Wir erinnern uns an eine Einkehrempfehlung von Fritz und suchen nach der bewußten Czárda. Wir finden das "Sziget - Panzio" rechts von der Durchgangsstraße und sind ganz überrascht von dem Anblick. Es handelt sich nicht um ein kleines einfaches Landgasthaus sondern um eines der gehobenen Sorte.

Wir stellen unsere Fahrräder ab und nehmen Platz an einem Tisch in der Ecke des Lokals. Hier haben wir einen Ausblick auf die Straße und können gleichzeitig Fritz entdecken, wenn er uns sucht. Wir speisen hier recht nobel (Heiko nimmt Lammragout mit Reis für 1.000 HUF, ich esse Letscho mit Nockerln für 300 HUF). Eigentlich ist es als kleine Zwischenmahlzeit viel zu viel.

Mein Letscho erinnert mich an das Letscho, das Heiko in unseren ersten Jahren des öfteren gezaubert hat.

Wir trinken dazu Wasser, und Rolf freut sich auf und über sein erstes ungarisches Bier, von dem er schon einige Zeit geträumt hat. Es schmeckt ihm auch ausgesprochen gut und er läßt sich als Souvenir einen sauberen Bierdeckel geben. Wir sind etwas irritiert, denn es handelt sich um "Amstel-Bier". Bald stellen wir fest, daß Rolf fest der Meinung ist, es sei eine ungarische Marke. Er kannte die Marke Amstel nicht und wußte daher auch nicht um die Herkunft.

Wir haben uns - der Mensch ist nun mal hin und wieder schadenfroh - tüchtig darüber amüsiert, und Rolf mußte es sich so manchesmal gefallen lassen, auf den Arm genommen zu werden, zumal wir in der Folge häufig die Amstel-Werbung sahen. Das Leben kann ganz schön hart sein, aber "wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung". Wir haben ihn danach aber auch immer auf ungarisches Bier aufmerksam gemacht.

Seit wir Tata verlassen haben, fahren wir auf der Straße, aber heute ist Sonnabend und der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Plötzlich hören wir von hinten ein lautes Hupen: Fritz ist da!!!!

Wir führen ihm unsere Gangschaltungen vor, die in keiner Weise mehr korrekt eingestellt sind. In den 3. Kranz kann ich gar nicht mehr schalten, Heikos Rad läßt sich schwer treten, obgleich es bergab geht usw.

Fritz bietet uns Ersatzräder an, die er auf seinem Trailer hat.Wir testen sie und merken den kolossalen Unterschied. - Bevor Fritz weiterfährt verabreden wir uns für morgen in Szentendre an der Fähre um 15 Uhr.

Auf meine Frage nach der Entfernung bis Esztergom bekomme ich die Antwort: 20 km.

Die weitere Strecke ist recht hügelig, aber nicht mehr so schweißtreibend wie die hinter uns liegende.

Wir suchen ein von Fritz genanntes Büfé ( zu deutsch/österr.: Saufbeisl), entdecken aber erst kurz vor Esztergom eins.
Ganz idyllisch gelegen an einem kleinen See, handelt es sich um eine alte kleine Steinbude, mit Tischen und Stühlen am Ufer, die bestimmt eine 50-jährige Geschichte erzählen können. Das "Herzhäuschen" steht etwas abseits. Am Ufer stehen und sitzen einige Männer und Kindern und angeln.

Wir holen uns 4 Gläser Wein (Selbstbedienung) und genießen ihn, den See, die unglaubliche Stimmung. Wir sind rundum zufrieden. Da wir ja Esztergom schon in Sichtweite haben, genehmigen wir uns jeder ein zweites Glas Wein (es kostet nur 70 HUF = ca. -,55 DM).

Dann fallen wir nach ca. 60 km in Esztergom ein, eine der ältesten Städte Ungarns.. Hier gründete der erste ungarische König Stephan ein Bistum und Esztergom war lange Zeit königliche Residenz.

Nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert mußte Esztergom die führende Rolle an Buda abtreten, blieb aber erzbischöflicher Sitz. Seit 1715 ist der Erzbischof von Esztergom auch der Fürstprimas.

Wir finden ohne Probleme unser Bett für die Nacht, nämlich das "Hotel Esztergom".

Von der Lage her ist es einmalig, direkt an der Donau am Fähranleger gelegen, aber bei näherer Betrachtung handelt es sich um einen sozialistischen Plattenbau mit allen typischen Macken und "Schönheiten".

Nach dem Duschen und Haare waschen (es ist bereits 18.30 Uhr) machen wir uns auf den Weg zur im Polyglott empfohlenen "Esztergomi Halaszczàrda". Lt. Beschreibung soll es sich um ein Fischrestaurant am Ufer eines Donauarmes mit großem Garten und Grill handeln. Leider ist es nicht zu finden, auch auf Befragen einiger Passanten bekommen wir keine positive Antwort.

So geben wir die Suche auf und halten nach einem Lokal in der Innenstadt Ausschau. Aber auch hier haben wir keinen Erfolg, darum führt uns unser Weg in Richtung Kathedrale. Wir finden ein anfangs urig und nett wirkendes Gasthaus mit Tischen im Hof, welches sich später dann aber als Western-Lokal entpuppt und nicht so berauschend ist. Aber naja, wir werden satt und müssen hier ja nicht unseren Abend verbringen.

Später gehen wir die Treppen hoch zur Kathedrale, deren Rundkuppel angestrahlt ist. Es handelt sich hierbei um die größte Kirche Ungarns mit einer Länge von 118 m und einer Breite von 40 m. Es ist ein überwältigender Anblick, leider ist es schon dunkel, und die Wege am Dom sind nicht erleuchtet. Lediglich die Reste des von den Türken im 18. Jahrhundert zerstörten Königspalastes, die seit 1930 wieder freigelegt werden, sind angestrahlt.

Am Fuße finden wir ein sehr hübsches, vornehmes Lokal "Primaspince", aber leider sind alle Tische besetzt. Einen roten Wein trinken wir in einer anderen Weinstube unter einer roten Markise (in der Art wie im "Caracola").

Im Hotel findet eine Hochzeitsfeier statt, darum trinken wir auf der Terrasse des Restaurants eine Weißen, der uns aber nicht besonders schmeckt. Der Kellner ist darüber ganz erstaunt, er hat uns wahrscheinlich etwas ganz Besonderes gebracht. Wir vermuten, es handelte sich um einen Tokajer.