6. Tag
20. August 1999
Freitag
61 km
Györ - Tata
 

Um 7 Uhr ist unsere Nachtruhe jäh beendet, denn die Kirchenglocken scheppern erbarmungslos, ohne Rücksicht auf müde Radler; ganze zwei Minuten lang, die uns wie eine Ewigkeit vorkommen. Es ist auch kein schöner Klang, einfach nur blechern und laut. Jedenfalls sitzen wir im Bett und stellen außerdem fest, daß es, wie fast immer morgens, draußen grau ist.

Nach dem Frühstück (schwedisch, d.h. Frückstücks-Buffet) gehen wir mit unseren Radtaschen nach draußen und sehen: es regnet! Unter der großen Kastanie beschließen wir, unsere Regenjacken anzuziehen. Rolf meint allerdings, es sei nur ein kleinen Schauer und gleich wäre der Spuk vorbei.Wir warten einige Zeit, aber es ist einheitlich grau, darum starten wir um 9.30 Uhr .

Die Beschreibung der Ausfahrt vom Hotel in Richtung Tata ist sehr ungenau, so irren wir bei strömendem Regen durch Györ, ohne die beschriebene Arpad utca, die uns aus der Stadt führen sollte, zu finden. Endlich finden wir durch Abgleichen der Straßenecke, an der wir uns befinden, auf unserem Stadtplan den Standort und damit den Weg aus Györ heraus.

Wir fahren auf der Straße, denn hier ist der Radweg zuende, und werden von Autos überholt und geduscht. Als der Regen wie aus Eimern kommt, stellen wir uns unter einen Baum, bis auch der das Wasser nicht mehr zurückhalten kann.

Wir fahren weiter auf der Landstraße Richtung Tata, kreuzen die Autobahn M 1. Um 11.30 Uhr machen wir auf der Straße in einem Autobus-Haltehäuschen eine Pause.

Nun wird es auch weniger mit dem Regen, und wir entledigen uns der nassen Klamotten - und plötzlich fährt Fritz vorbei! Wir rufen und gestikulieren, und er hört und sieht uns und stoppt. Er meint, das Wetter würde nun auch besser werden. Außerdem hätten wir ja auch noch Glück gehabt. Heute ist der höchste ungarische Feiertag zu Ehren des Szent Istvans (Heiliger Stefan), da ist auf den Straßen nur wenig Verkehr.
Weiter geht die Fahrt durch Böny nach Bana. Dort setzen wir uns in eine Borada (Weinlokal) und nehmen eine Flasche Rotwein und Wasser. Wir sitzen im Sonnenschein und erfreuen uns an diesem. Auf unseren Rädern liegen die Regenjacken zum Trocknen, ebenso die nassen Socken.

Am Nebentisch sitzen Einheimische und beobachten uns und schmunzeln. Für unsere Weiterfahrt mit anschließendem Picknick nehmen wir uns noch eine Flasche Rotwein (500 HUF) mit.

Weiter geht's bis Babolna, dort machen wir Picknick mit Wurst, Käse, Brot und Rotwein.

Wir erreichen Kocs, dort werden wir um den Ort herumgeleitet, da anläßlich des Feiertages einige Veranstaltungen stattfinden. Als wir wieder auf die Durchgangsstraße gelangen, "rast" gerade ein Kutschwagen, gezogen und geschoben von einigen jungen Männern vorbei. In einigen Minutenabständen folgen die nächsten. Als wir am Ortsende sind, sehen wir noch einige, die dort auf ihren Start warten.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer und wir erreichen Tata. Wir streifen kurz die Stadt und fahren zu unserem nächsten Ziel, dem "Hotel Gottwald". Es liegt weit außerhalb der Stadt, wir fahren ca. 2 km nur durch Wald und erreichen das Haus, schön gelegen mitten im Wald. Wir beziehen unsere Zimmer - und es beginnt zu regnen.

Die Zimmer sind klein, speziell die Dusche und WC.

Das Restaurant macht einen leicht vornehmen Eindruck. Im Nebenraum ist eine Hochzeitsfeier mit Zigeunermusik - live. Wir essen mal wieder fürstlich - ungarische Gerichte natürlich - und trinken einen köstlichen Wein (--und noch einen).

 

Draußen regnet es noch immer. Mein Gott, haben wir ein Glück, noch im Trockenen angekommen zu sein. Wir hoffen, daß morgen der Regen vorbei ist. Um 21 Uhr hören und sehen wir das Feuerwerk, das anläßlich des Nationalfeiertages in Tata abgefeuert wird. Leider ist die Stadt zu weit entfernt, um noch einige Eindrücke zu genießen.