3. Tag
17. August 1999
Dienstag
67 km
Wien - Bad Deutsch-Altenburg
 

Wir sind um 9 Uhr beim Frühstück, haben vorher unsere Koffer an die Rezeption gestellt. Dort soll das Gepäck aller Radreisenden (wir sind 3 Gruppen mit 2 x 4 und 1 x 8 Leuten) abgeholt und ins nächste Hotel (in Bad Deutsch-Altenburg) gebracht werden.

Ich habe eine schlechte und kurze Nacht hinter mir. Um 1 Uhr schlafe ich noch nicht, da ich fürchterliches Kribbeln (RLS) habe. Ich gehe im Zimmer etwas auf und ab, schnappe mir den Wien-Führer, lese darin bis 1.30 Uhr. Danach starte ich einen erneuten Versuch zu schlafen. Es regnet wie verrückt, es pladdert auf irgendwelche Blechabdeckungen im Hof! Hoffentlich hört das bis zum Vormittag auf!

Um 5 Uhr werde ich von fürchterlichen Kopfschmerzen geweckt. Ich lege mir einen nassen Lappen auf die Stirn, in der Hoffnung auf Linderung.

Nach dem Frühstück versorgen wir uns mit Getränken aus dem Interspar-Laden im Donauzentrum.

Dann starten wir um 10.10 Uhr auf der Wagramer Straße in Richtung Reichsbrücke. Wir fahren auf der Donauinsel bis fast zum Ende und gelangen wieder auf die linke Flußseite. Nach anfänglichen Unsicherheiten finden wir den Radweg Richtung Hainburg auf dem Hubertusdamm. An einer Gabelung verfehlen wir die richtige Straße und landen auf der Terrasse eines Lokales. Eine zufällig vorbeigehende Passantin zeigt uns den richtigen Pfad und weiter geht's.
In Höhe der Ortschaft Orth a. d. Donau fahren wir zunächst in das Dorf hinein, um uns eine Erfrischung zu genehmigen. Leider finden wir nichts, was uns zusagt. Wir sehen auf einem Schild einen Hinweis auf das "Uferhaus" direkt an der Donau. Das hört sich gut an, darum machen wir kehrt und schlagen den Weg dorthin ein.Am Ortsausgang sehen wir plötzlich ein Haus mit der Aufschrift:

Frühstückspension- Maria
Das ist sie also, Marias kleine Pension! Schnell mache ich ein Foto von dem Haus, damit wir endlich alle wissen, wie diese vielzitierte Pension aussieht.
Das "Uferhaus" an der Donau hat eine herrliche Lage und einen wunderschönen Garten. Wir entschleßen uns zur Einkehr, denn es ist inzwischen auch schon 13 Uhr geworden. Ich bestelle mir Karpfen (eigentliche mag ich gar keinen Karpfen!), aber hier bieten sie eine spezielle Zubereitung an, nämlich gebacken. Und er schmeckt mir ausgesprochen gut!

Der Wirt bedient uns mit Material aus der Chronik der Familie und des Lokals. Wenn wir nicht abgewinkt hätten, wären wir auch noch mit T-Shirts versorgt worden.

Wir fahren weiter auf dem Hubertusdamm, der nächste Haltepunkt ist Eckartsau. Dort befindet sich ein prunkvolles Jagdschloß mit einem sehenswerten Schloßgarten. Es wurde errichtet für die Familie des Grafen Kinsky. Österreichs Kaiser Karl I. ging von hier aus im Jahre 1919 mit seiner Familie ins Exil.

Wir fahren in den Schloßhof und werden gebeten, an einer Besichtigung teilzunehmen. Aber wir lehnen bedauernd ab, da uns dazu die Zeit fehlt. Rückwärtig fahren wir durch den sehr schönen Schloßpark und gelangen wieder auf "unseren" Hubertusdamm.

Der nächste Boxenstop ist in Stopfenreuth auf der Brücke über dem Auffangbecken. Wir trinken

unseren Wein vom Interspar und Rolf fährt in den Ort und besorgt Nachschub, denn wir haben noch einige Kilometer vor uns bis zu unserem Tagesziel Bad Deutsch-Altenburg.

Es begegnet uns eine Gruppe junger Radwanderer mit vollem Gepäck und Isomatten auf den Rädern. Als wir ein Foto von uns machen wollen, springt ein junger Mann auf uns zu und knipst uns.

Wir fahren auf der linken Seite des Auffangbeckens weiter. Es ist nur ein schmaler Dammpfad, auf dem wir bis zur Donaubrücke fahren. Auf der Brücke be-findet sich auf der rechten Seite zwischen Fahrbahn und Geländer ein abgeteilter Radweg, allerdings sehr schmal. Darum müssen wir auch hintereinander fahren - Heiko als Gruppenführer vorweg, dann kam ich, hinter mir Ilse und als "Lumpensammler" Rolf.

Plötzlich ertönte ein Klingeln, das Zeichen zum Anhalten. Ich drehe mich um und entdecke ein liegendes Rad. Rolf war mit Ilses Hinterrad kollidiert und gestürzt. Dabei verletzte er sich das Knie. Er blutet stark- und leider überlebt die Flasche Wein diesen Sturz nicht. Das edle Gesöff ergießt sich auf der Brücke über der -schon- blauen Donau.

Fazit dieses kleinen Unfalls: - Abstand halten und nicht ´rumalbern!

Hinter der Brücke verarztet Ilse ihren Pechvogel, dann geht's rein nach Bad Deutsch-Altenburg. Unser dortiges Ziel ist der "Gasthof Stöckl". Wir stellen die Räder in die Garage und unsere Koffer in die Zimmer. Diese sind deutlich kleiner als in Wien und bei weitem nicht so komfortabel.

Heiko möchte noch seine geliebten römischen Ausgrabungen in Carnuntum besichtigen, darum fahren wir vor dem Duschen nach Petronell.

Diese alte Römerstadt war die Hauptstadt der Provinz Pannonien und es lebten dort 6000 Legionäre und 50 000 Einwohner. Nach Niederlagen gegen die Quaden wurde Carnuntum zu Beginn des 5. Jahrhunderts aufgegeben. Die Stadt verfiel und als einziges größeres Bauwerk ist das sogenannte Heldentor stehengeblieben. Auf ihm befindet sich eine Skizze des Lagers. Unvorstellbar, daß hier 50 000 Menschen gelebt haben. Einige Reste der alten Mauern sind noch zu erkennen. Das Amphitheater ist nur durch eine Hecke zu sehen, das Tor ist schon abgeschlossen.

"Landfein" gehen wir zum Essen in das Restaurant "Stöckl".

-Anschließend trinken wir in der "Buschenwirtschaft Schön" einen Absacker bzw. noch einen und noch einen und ......
Als wir ins Bett fallen merken wir, daß es wahrscheinlich doch einer zuviel war ...

Dieser erste Radtag war sehr schön und ereignisreich. Das Wetter war hervorragend und unsere Stimmung gut. Wenn es so weitergeht, sind wir voll zufrieden.