14./16. August 1999 Samstag - Montag
 
Anreise & Wien

 

Lange geplant, sehnlich erwartet: heute geht es los!! Am Dammtor belegen wir unser Liegewagenabteil, der Zug startet pünktlich um 20.31 Uhr, ab Hauptbahnhof allerdings mit 8-minütiger Verspätung. Mit einem Obstler von Karlheinz stoßen wir an auf einen wunderschönen und erfolgreichen Radwander-Urlaub und sagen
Es folgt ein Riesling aus Zeutern, dazu Baguettebrot und ein Rest Schinkenwurst. Von Ilse werden Chips auf den Markt gebracht sowie ein weiterer Riesling von Rolf. Wir lassen es uns gutgehen, das schlechte Leben soll ja aufhören.
Prost - besser: Egészségedre!!
 
Um 21.30 Uhr ist es dunkel. Nach Mitternacht legen wir uns in die Waagerechte (ich glaube, wir sind die Letzten im Waggon, die noch nicht liegen); die Männer nach oben, wir Frauen unten auf die schmalen Bänke. Das Fenster ist ein Spalt geöffnet, dadurch ist die Temperatur erträglich, aber es ist wahnsinnig laut.

Gegen 2 Uhr sind wir in Würzburg, eine Stunde später in Nürnberg und haben inzwischen 20 Minuten Verspätung. Vor Regensburg erfolgt ein scharfes Bremsen des Zuges, unsere Flaschen, Becher usw. , die auf dem kleinen Tischchen vor dem Fenster stehen fliegen durchs Abteil.

Um 5.25 Uhr erreichen wir Passau, danach geht's an der Donau entlang. Der Tag erwacht, es ist sehr stimmungsvoll. Ich setze mich ans Fenster und genieße den Ausblick und die morgendliche Stimmung. Meine Mitreisenden schlafen noch.

Beim Schaffner - es ist ein alter, muffeliger (oder aber ein grantelnder ?) Wiener - gibt es Frühstück, aber es muß abgeholt werden. Gegen 7 Uhr versorgen Heiko und Rolf uns damit, es besteht aus jeweils 2 Brötchen, Marmelade, teilweise Butter und Kaffui (Pulverkaffee)!
Wir warten auf Melk, kleben fast am Fenster und sind begeistert vom Anblick der Stiftskirche.

Um 8.55 Uhr treffen wir pünktlich am Wiener Westbahnhof ein. Zunächst kaufen wir uns jeder ein "Wien-Ticket" (72 Std. gültig für alle Verkehrsmittel sowie Vergünstigungen bei einigen Veranstaltungen).
Danach geht's mit der U3 zum Stephansplatz, umsteigen in die U1 bis Endstation Kagran. Das Hotel Donauzentrum ist nur wenige Minuten entfernt
Da unsere Zimmer um diese Zeit noch nicht fertig sind, deponieren wir unser Gepäck an der Rezeption und fahren zurück in die Stadt, bis zur Haltestelle Karlsplatz.
Wir gehen in Richtung Rennweg - Salm Bräu. Geöffnet wird erst um 11 Uhr ( es ist jetzt 10.40 Uhr), darum gehen wir nach nebenan ins Untere Belvedere. Das Obere Belvedere ist leider eingerüstet (war hier Cristo am Werk?), aber wir spazieren durch den wunderhübschen Barock-Garten des einstigen Sommerschlosses des Prinzen Eugen von Savoyen. Leider ist es grau und es fängt auch an zu regnen.


Anschließend gehen wir ins Salm-Bräu. Wir trinken zuerst einen leckeren Kaffee (Melange), dann kommen die festeren Sachen.

Heiko und Ilse essen Verhackertes (54 ATS), Rolf ein Schmalzbrot (42 ATS) und ich Salami-Brot (Salami und Blattspinat mit Schafskäse überbacken - 68 ATS), dazu Böhmisch Gemischt (0,3 ltr. = 29 ATS).

Wir sind satt und glücklich und fahren ins Hotel. Inzwischen sind unsere Zimmer fertig, und wir beschließen, ein wenig Schlaf der vergangenen Nacht nachzuholen.

Um 16 Uhr treffen wir uns in der Lobby des Hotels. Besprechung und Frage: Wohin? Wir entscheiden uns für die Innenstadt. Erstes Ziel ist der "Steffl". Da heute Feiertag ist (Maria Himmelfahrt), ist die Kirche zur Messe voll.

Wir schlendern über den Graben mit Pestsäule, trinken Kaffee im "Braunhofer Caféhaus" (Braunhofer-Traum und Maria-Theresia-Kaffee), wir entdecken den Esterhazy-Keller, einen Heurigen-Keller mit uralten Gewölben (lt. Stadtführer), schlendern durch die Hofburg mit weiteren Gebäuden zum Heldenplatz.

Hin und wieder regnet es leicht, häufig scheint die Sonne. Fazit: Das Wetter ist recht gemischt, aber gar nicht so schlecht!

 
In der Altstadt, der Schönlaterngasse, entdecken wir den "Basilisken", in dem wir vor 4 Jahren auf der Radtour nachts einen Wein an der Straße getrunken hatten. Es war so wunderschön und urig, darum freuen wir uns, daß wir plötzlich vor dem Haus stehen. Wir setzen uns nach drinnen (das Wetter ist zu unbeständig) und genießen einen Grünen Veltliner. Die Einrichtung des Lokals ist ein Traum; alte Möbel, sehr gediegen, die Wirtin sehr nett und verständnisvoll, da wir nur eine Flasche Wein trinken und nichts verzehren. Wir schlendern weiter durch das "Bermuda-Dreieck" mit seinen vielen Lokalen, Bars und Cafés.

Später gehen wir in den "12 Apostel-Keller". Den Keller gibt es seit 1561, er ist 3 Etagen tief und ausgesprochen urig. "Unser" Kellner Mario ist ein Schatz, er macht Späße und animiert uns - ohne daß es groß auffällt - zum Trinken.

Wir genießen einen Tiroler Obstler - für Kinder = 2cl. Heiko ißt einen 12-Apostel-Keller-Teller, ich einen Gemüsestrudel (85 ATS), Ilse Geschnetzeltes und Rolf Wiener Schnitzel. Wir trinken Grünen Veltliner und löhnen für alles zusammen - incl. Tip - 500 ATS für jedes Paar.

Wir nehmen einen Lokalwechsel vor und gehen in die Paulusstuben am Beginn der Kärntner Straße (Seitenstraße). Ein freundlicher Wiener ist uns bei der "Findung" behilflich. Dort lassen wir den Abend ausklingen bei einem Viertel Grünen Veltliner.
 
2. Tag - 15. Aug. 1999 Montag Wien
Wir frühstücken um 9 Uhr. Das Wetter scheint durchwachsen, in der Nacht hat es geregnet. Wir beschließen, nach Schloß Schönbrunn zu fahren, der Sommerresidenz der Habsburger. Vorsichtshalber nehmen wir unsere Schirme mit und fahren mir der U1 bis Karlsplatz und derU3 in Richtung Hütteldorf (Grüß Gott, Frau Sektionsrat).
An der Station "Schönbrunn" regnet es. Wir gehen durch den Seiteneingang in Richtung Schloß, an der Wagenburg (rechts von uns) vorbei und durch den rechten Eingang in den Garten. Dadurch gelangen wir hinter das Schloß. Vor 4 Jahren war der rechte Seitenflügel des Schlosses eingerüstet, jetzt erstrahlt er in voller Schönheit. Wir erfreuen uns an den wunderschönen Gartenanlagen, ja man muß eigentlich von "Gartenarchitektur" sprechen.
Das Schloß Schönbrunn ist - wie Wien überhaupt - ein internationaler Anziehungspunkt. So wimmelt es auch hier von Menschen aller Rassen, man ist ständig umgeben von fremden Idiomen. Häufig können wir den "vertrauten" Klang der spanischen Sprache vernehmen.

An dem Brunnen unterhalb der Gloriette wirken die Restauratoren. Die Löwen und andere Statuen werden abgestrahlt und sind teilweise wieder schön hell. Von der Gloriette hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Auf der gegenüberliegenden Seite können wir den Kahlenberg ausmachen mit seinen Gebäuden und dem Sendemast.

Unterhalb der Gloriette geht es in den Tiergarten Schönbrunn. Es handelt sich um den ältesten Tiergarten der Welt. Aber wir gehen nicht hinein - aus Zeitmangel.
Da wir noch keinen Tropfen gefrühstückt haben und durstig sind, gehen wir in den Biergarten neben der Wagenburg. Wir genießen unseren geliebten Veltliner bei Sonnenschein und beobachten die kleinen frechen Spatzen. Sie stürzen sich auf verbliebene Brotkrumen, fliegen auf und setzen sich todesmutig sogar auf die eingedeckten Tische. Wahrscheinlich wissen sie, daß wir ihnen nichts zuleide tun. Es ist zu putzig.
Eigentlich wollten wir hinterher in die Wagenburg, besonders auf Rolfs Wunsch, denn Heiko und ich kennen sie schon. Nur, es ist bereits nach 14 Uhr, und wir sollten zusehen, etwas zu für unser leibliches Wohl (in fester Form) zu tun. Der Tip von Dr. Jager hieß "Tirolerhaus" und soll sich im Bereich Schönbrunns befinden. Wir fragen den Pförtner und erfahren, daß wir wieder zurück in Richtung Gloriette müssen, denn es liegt im Tiergartenbereich.
Das "Tirolerhaus" ist ein Blockhaus, sehr rustikal, ebenso die Einrichtung. Wir setzen uns in den Biergarten. Ich entscheide mich für Tiroler Klöße (Semmelknödel mit Speck und Zwiebeln), Heiko ißt Rindfleisch gekocht mit Röstis, Ilse Rindfleischsalat und Rolf Tiroler Speck. Dazu trinken wir einen GV, Ilse nimmt Schorle. Als wir aufbrechen, stellen wir fest, daß es für die Wagenburg eigentlich schon zu spät ist.
Es ist 16.30 Uhr, und um 18 Uhr müssen wir im Hotel sein, zur Übernahme der Fahrräder. Darum disponieren wir um und
fahren in die Stadt zurück, gehen durch die Dorotheengasse, werfen dabei einen Blick ins Dorotheum (Pfandhaus).

Als wir zur U-Bahn gehen regnet es heftig. Wir fahren ins Hotel und sind um 18 Uhr pünktlich zur "Vorführung" vor Ort. Wir stellen fest, daß Velotours uns nur dürftig mit Informationsmaterial versorgt hat. Zum Glück habe ich den Plan vom Radweg bis Budapest im Maßstab 1:50 000 übers Internet gekauft. Anschließend geht es zum "Anpassen" der Fahrräder in die Tiefgarage des Hotels. Wir fahren, testen und korrigieren, nehmen die Radtaschen, den Ersatzschlauch und die Reparaturtasche in Empfang.

Danach schnappen wir uns die Schirme und fahren in die Stadt - es gießt in Strömen. Heute abend ist der Esterhazy-Keller unser Ziel. Auch hier ist es urig, wir gehen 2 Etagen hinab und finden am hintersten Ende einen freien Tisch. Hier ist Selbstbedienung, wir bestellen die Getränke und holen unsere Speisen - Kaßler und Verhacktes mit Kartoffelsalat. Um 23 Uhr ist hier "Sperrstunde", somit bleibt uns nichts anderes übrig, als den Abend und damit die Tage in Wien zu beenden.