17. Tag
13. Mai 2000
Samstag
Tata - Györ
Beginn der Rückreise:
Ein letztes Frühstück im "Anita". Auf unsere Bitte nach einer Hausmacher-Salami bekommt Guyla glänzende Augen. Er eilt nach drinnen und überreicht uns eine in Alufolie verpackte Wurst. Hierbei handelt es sich um seine eigene Herstellung; er hatte uns stolz davon erzählt, nachdem wir ihn vor einigenTagen darauf angesprochen hatten, weil uns diese Wurst besonders gut schmeckte.
 
 

Wir bezahlen unseren Aufenthalt ( DM 40,-- pro Zimmer und Nacht ) sowie das Frühstück und die Wurst und verabschieden uns vom Wirt und seiner Tochter. Dann verstaut Heiko die Räder und das Gepäck im bzw. auf dem Auto. Als wir einsteigen wollen, kommt die "Chefin" um uns "Ade" zu sagen und ruft uns noch ein "Bussi!!" nach.

Wir fahren auf die B 71 und genießen den Blick auf "unseren" See, der uns noch einige Kilometer begleitet. Unser nächstes Ziel sind die "Barbarátoks" in Badacsonytomaj; dort füllen wir unsere 4 x 05,ltr. Cola-Flaschen auf mit dem Roten des Hauses.

Nun sind wir gut ausgerüstet und weiter geht unsere Reise über Revülöp - Balatonakali - Balatonudvari. Auf der rechten Seite sehen wir die wunderschöne Halbinsel Tihany, wir kommen durch Balatonfüred und Balatonalmadi und biegen in Balatonfüzfö links ab nach Zirc.

Es ist ein wenig abenteuerlich, zumal die Ausschilderung mehr als dürftig ist. Wir landen in einer schmucken sozialistischen Plattensiedlung und an der Garagenanlage ist die Welt zu Ende. Also fahren wir zurück zur nächsten Gabelung. Etwas zwiespältig fahren wir durch eine Mondlandschaft, wissen nicht so recht, ob auch hier nicht plötzlich die Welt verriegelt ist, bis wir an eine Ausschilderung kommen, die uns sagt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Den weiteren Weg nach Tata fahren wir querbeet, als Anhalt haben wir nun die allgemeine Ungarnkarte vom ADAC im Maßstab 1:700 000 - kein sehr günstiger Maßstab. Unsere Fahrt durch kleine Dörfer, fernab der Touristenstraßen, zeigt uns mal wieder die vielen Schattenseiten und die Armut dieses Landes. Hier ist die Welt vor vielen Jahrzehnten stehengeblieben.

Gegen 14 Uhr erreichen wir Tata, wir parken an der Burgmauer, an der wir im vergangenen Jahr mit Grefes standen. Damals hatten wir keine Zeit, nach der Burg Ausschau zu halten, da unser nächstes Ziel - Esztergom - rief. Heute stellen wir fest, dass wir unmittelbar vis á vis der Burg stehen.

 

Die Burg stammt aus dem 14. Jh. Wir gehen durch die Anlagen hinauf und sind ganz erstaunt über die Größe des Gebäudes. Das Dach ist bereits restauriert, ebenso ein Teil der Rückseite. Der Burgpark ist wunderschön, mit einem großen Bestand alter Bäume. Gegenüber liegt ein riesiger See, der "Öreg-tó"( der "Alte See"), der im Mittelalter aufgestaut wurde. Am jenseitigen Ufer sehen wir das "Gebirge", durch das wir Vier vor einem Jahr schnaubend und schnaufend geradelt sind.

Das Städtchen Tata ist seit dem 18. Jh. im Besitz der Familie Esterházy, die hier auch ein Schloss und kleine Barockhäuser bauten. Im Schloss Esterházy unterschrieb Kaiser Franz I auf der Flucht vor Napoleon im Jahre 1809 den "Friedensvertrag von Schönbrunn".

Heute befindet sich im Schloss ein Krankenhaus. Gegenüber der Burg kehren wir ein, essen eine Suppe, trinken einen Gespritzten und fahren weiter nach Györ. Wir fahren auf der B 1, eine langweilige und öde Strecke. Unsere Radwege von einem Jahr waren Gott sei Dank wesentlich schöner und abwechslungsreicher.

 

Wir erreichen Györ und können uns gut orientieren. Unser Ziel die "Gróf Cziráky Panzió". Wir entdecken das "Klastrom" und wissen, dass die von uns gesuchte Pension genau dahinter liegt. Unser Zimmer (wir haben es von Gyenesdiás aus gebucht, die Tochter unseres Wirtes hat es für uns erledigt) liegt im 1. Stock mit Blick auf die Klosterkirche des Klastrom. In Györ ist heute Sommerfest und viel Trubel in Stadt.

 

Wir bummeln, setzen uns in das Lokal gegenüber der Kogge, trinken ein Glas Wein in der späten Nachmittagssonne, und suchen "Stätten der Vergangenheit" auf. Dabei finden wir die Arpad utca, die wir vor einem Jahr im Regen am Abreisetag nicht gefunden haben. Auf der "Kettenbrücke" werfen wir einen Blick auf den Zusammenfluss von Raba und Duna.

Wir beschließen, im Klastrom-Etterem zu essen. Wir nehmen im Hofgarten Platz und sind entsetzt, wie hochgestochen die Karte bzw. die Preise sind. Wir trinken nur einen Wein und verlassen das Lokal.

Im Innenstadtbereich finden wir das "Komédias" mit einem Biergarten hinten im Hof. Eine sehr schöne und urige Atmosphäre - und rappelvoll! Am Rande ist noch ein Tisch frei. Wir bestellen (Heiko Zwiebelbraten, ich Lendenschnitte mit Ragout) und als die Speisen kommen, sind wir mal wieder erstaunt über die Riesenportionen. Ich schaffe mal wieder nur die Hälfte.
Zum Abschluss setzen wir uns neben unserem Hotel in die Ecke, in der wir mit Grefes gesessen hatten. Das Lokal ist zurzeit nur eingeschränkt geöffnet, da sich nebenan eine große Baustelle befindet. Natürlich sind auch keine Musiker hier.
 
Gegen 23 Uhr beenden wir unseren Györ-Abend mit der Bitte an den Pförtner, uns am nächsten Morgen um 7.45 Uhr zu wecken.