6. Tag
2. Mai 2000
Dienstag
Kali-Becken
 
Um 7.30 Uhr klingelt unser Wecker. Nach dem Frühstück geht es mit dem Auto Richtung Balatonfüred. In Balatonalkali stellen wir den Wagen am Beginn unseres Wanderweges ab.
Zunächst gehen wir auf der Asphaltstraße bergauf in Richtung Dörgicse. An der Kuppe biegen wir links auf einen Sandweg, und nun improvisieren wir, da die Wegbeschreibung im Polyglott leider sehr vage ist. Wir versuchen, ungefähr die Richtung zu halten, wandern über bunte Wiesen, die Walderdbeeren blühen, wir sehen bunte Falter in groß und klein, die Vegetation hier ist ganz anders als unsere, sie ist auch wunderschön und vielfältig!


Kurz vor dem Ortseingang von Dörgicse kommen wir an einer ehemaligen LPG vorbei, und auf dem Hof tummeln sich schwarze Schweine, eine Mutter und 6 Ferkel, eines davon hellmarmoriert, es erinnert an einen Frischling. Ich mache schnell noch ein Foto, denn langsam trollen sie sich, nachdem sie uns genügend betrachtet haben und wir nun wohl nicht mehr besonders interessant für sie sind.

In Dörgicse treffen wir auf den Weinhof "Granarius". Der Wirt stellt uns Wein und Wasser auf den Tisch und zeigt uns das Haus (mindestens 300 Jahre alt). Das Obergeschoss ist auf der vorderen Seite als Restaurant mit Tischen ausgestattet, auf der hinteren sind alte bäuerliche Geräte ausgestellt. Auch in den Weinkeller mit altem Tonnengewölbe werden wir geführt. Wir sind beeindruckt.
Dann kommt der Chef des Hauses, ein junger Mann, mit Namen Adam, der hervorragend deutsch spricht. Lebhaft erzählt er uns von dem Haus, das sein Vater kurz nach der Wende gekauft und ausgebaut hat, und dass er, Adam, jetzt das Restaurant "Granarius" führt und macht uns auf Schönheiten der Umgebung aufmerksam. Wir kaufen bei ihm eine Flasche Chardonnay aus der Winzergenossenschaft Dörgicse und als "Reiseproviant" füllt er uns eine Zweiliter-Flasche mit Rizling. Der Junge und das Haus gefallen uns, und wir beschließen auf dem Rückweg unserer Radtour dort zu übernachten. Adam gibt uns seine Visitenkarte mit Handy-Nr. und wir verabschieden uns freundschaftlich.
Weiter geht unser Weg nach Kis-Dörgicse und Vászoly. Vor dem Ort geht es rechts ab, wir gehen entlang der Straße durch frische Laubwälder und hinter der Kuppel haben wir plötzlich einen sagenhaften Blick auf den See. Nun geht es nur noch bergab und in der Laci Pince machen wir Rast.
Auf einer großen Sonnenterrasse hinter dem Lokal bestellen wir Rindsgulasch mit Nockerln (760ft.=DM 5,90) und Zigeunerbraten (750ft.=DM 5,80), dazu gemischte Salate und Wasser und Wein. Wir genießen das Panorama über den Plattensee, den Blick auf die Halbinsel Tihany und kommen noch mit der Wirtin ins Gespräch.

Dann erfahren wir von ihr, dass gegen 18 Uhr ein Zug oder ein Bus von Balatonudvari nach Balatonalkali, wo unser Auto steht, fährt. Es ist jetzt 16 Uhr. Die 2,5 Kilometer nach Udvari schaffen wir in einer guten halben Stunde.

Wir besichtigen noch kurz den Friedhof mit den herzförmigen Grabsteinen und um 17.45 Uhr

kommt unser Bus. Für die ca. 5 km nach Balatonalkali zahlen wir zusammen an Fahrgeld 200 ft.=DM-.80 p.P. Am Auto entledigen wir uns als erstes unserer Wanderschuhe. Welch eine Wohltat! Eine Blase unter meinem linken Fuß hat Heiko mir schon in der Laci Pince verarztet, die andere unter dem linken Fuß ist bei uns im Zimmer dran.

In Gyenesdias angekommen, löschen wir zunächst unseren Durst mit einem Rizling und erzählen unserem Wirt von unserer Tagesleistung (ca. 16 km). Danach gehen wir nach oben, um unsere Radtaschen zu packen, denn morgen wird es ernst, unsere Radwanderung soll beginnen.

Als Abschluss nehmen wir noch einen Palincka zu uns sowie einen Palatschinken mit Eis (ich) und Fleischfüllung (Heiko). Die Bezahlung fürs Zimmer müssen wir am nächsten Morgen vornehmen, da das eine Angelegenheit der Chefin ist, die uns am nächsten Morgen das Frühstück zubereiten wird.