5. Tag
01. Mai 2000
Montag
Kis-Balaton
 

Nach dem Gewitter gestern abend, ist es heute morgen wieder freundlich. Wir frühstücken wie gewohnt gegen 9.15 Uhr . Heiko mit einem Schinken- und ich mit einem (kleinen) Käseomelett. Dazu wie immer 2 Tassen Kaffee. Danach setzen wir uns ins Auto und fahren durch Keszthely in Richtung Kis-Balaton. Leider war es uns nicht möglich, eine Autokarte für diese Region aufzutreiben. Darum fahren wir auf blauen Dunst.

Der Kis-Balaton war ursprünglich ein Teil des Plattensees. Im Jahre 1863 wurde der Wasserspiegel des Balaton um 4 m abgesenkt, um die Eisenbahnlinie auf der Südseite zu bauen. Der durch den Kis-Balaton führende Fluß Zala wurde kanalisiert und ergoß sich direkt in den See.

Die Wasserqualität des "Kleinen Balaton" verschlechterte sich rapide durch starkes Algenwachstum und Sauerstoffmangel. Das hatte zur Folge, dass durch den Zufluß der Zala bei Keszthely sich auch die Wasserqualität des Plattensees verschlechterte.
Darum baute man im Jahre 1981 eine Schleuse am Zala-Einfluß und staute den Kis-Balaton auf eine Größe von 70 km² auf. Sein Wasserspiegel liegt jetzt 2 m höher, und die Qualität des Balaton-Wassers hat sich seitdem wieder verbessert.
Das Gebiet des Kis-Balaton steht seit 1951 unter Naturschutz. Er beherbergt heute den Lebensraum für viele geschützte und vom Aussterben bedrohte Vögel wie Silberreiher, Edelreiher, Kormoran, Nachtreiher, Grauer Fischreiher, Löffler und viele Sorten von Singvögeln. Auch Störche nisten wieder vermehrt in der Gegend, da ihnen der Kis-Balaton genügend Frösche als Futter bietet.

Wir kommen an das Naturschutzgebiet und steigen aus, um auf der Brücke das Sumpfgelände näher betrachten zu können. Wir beobachten einen Reiher, der durch das Wasser watet, es liegt ein wahnsinniges Zwitschern in der Luft. Frösche quaken - es ist Natur pur.

 

Wir fahren weiter, kommen durch Dörfer, die abseits jeder Zivilisation liegen, größtenteils verkommen und vor Armut trotzen. In einem Dorf sehen wir Zigeuner über Zigeuner, vermutlich hat man sie hier gehäuft angesiedelt. Es ist ein beklemmendes Gefühl und erschreckend, wie groß die sozialen Unterschiede sind. In der direkten Umgebung des Balaton, wo Tourismus ist, wird gebaut und repariert und verschönert, aber hier, wenige Kilometer ins Landesinnere herrscht totale Armut. Die Europastraße E71 ist eine breite und gut ausgebaute Straße. Fährt man auf dieser, ahnt man nichts von den gewaltigen Schattenseiten, die sich einem hier auftun, wenn man links und rechts dieser Straße fährt. Es ist für uns erschreckend und beklemmend. Ich habe das Gefühl zu ersticken!

Am heutigen Tage habe ich leichte "systemische Probleme", die sich darin äußern, dass mir häufig heiss und kalt wird, der Magen meckert leicht (für mich mit einem robusten Magen eigentlich ungewöhnlich), und dann muss ich mich doch tatsächlich ganz plötzlich meines Mageninhaltes entledigen. Außerhalb einer Ortschaft ist es Heiko Gott sei Dank möglich, schnell an den rechten Straßenrand zu fahren. Danach ist der Druck weg, und es geht mir wieder besser ( jetzt habe ich nicht mehr das Bedürfnis, eigentlich nur noch ins Bett zu wollen, um nichts zu hören und sehen). Frage nach dem Grund dieses Ereignisses: War es das Käseomelett vom Frühstück, oder war es das Zanderfilet vom Vorabend? Egal, es ist raus und mir geht es wieder besser.

Wir fahren auf Balatonmariafürdö, steigen aus und gehen an das Ufer des Sees. Es ist sehr schön hier, es gibt eine Mole und einen kleinen Hafen. Im "Hofbräu" trinken wir eine Schorle und ein Wasser und fahren langsam in Richtung Keszthely zurück.
 
Dort ist heute Fiesta auf den Wiesen am Helikon-Hotel. Ach ja, heute ist ja der 1. Mai und auch hier ein Feiertag! Über den See zieht eine schwarze Gewitterfront auf, und wir treten den Heimweg an. Gerade richtig mit Blitz und Donner werden wir in Gyenesdias erwartet.

Auf dem Zimmer starte ich noch einen 4. Versuch einer sms an Eike, da die 3 vorangegangenen nicht abgesetzt werden konnten. Wieder ohne Erfolg. Die Meldung an Andi geht problemlos ab. Dann stelle ich einen fehlerhaften Eintrag von Eikes Handy-Nr. in meinem Adresssbuch fest. Nachdem ich die falsche Nr. gelöscht und die neue eingespeichert habe, klappt es mit dem Absetzten der sms.

Wir gehen nach unten ins Restaurant und genehmigen uns eine kleine Suppe um 16.30 Uhr. Das ist für uns nach dem Frühstück die erste Mahlzeit. Da wir ja heute ganz sparsam waren, beschließen wir uns eine Fischplatte für 2 Personen zu gönnen. Das Gericht - Spezialität des Hauses - wird serviert auf einem großen Holzteller in der Form eines Fisches. Es beinhaltet Zander, zwei weitere leckere Fischsorten, die uns unbekannt sind, Gambas, Muscheln und Tintenfischringe. Dazu werden Butterkartoffeln und - gemüse gereicht. Es schmeckt vorzüglich - und der Preis 2.900 ft. = 23,-- DM für 2 Personen!

Für morgen bestellen wir das Frühstück etwas früher, da wir unsere Wanderung von Balatonalkali in die Weinberge machen wollen. Es werden lt. Beschreibung ca. 20 km sein, aber wir müssen zunächst 50 km mit dem Auto an den Ausgangspunkt fahren.