Dienstag
30. Mai 2006
"am 30. Mai ist der Weltuntergang"
 

Wir könnten zwar auch heute wieder etwas länger schlafen, aber wir haben eine Strecke von etwa 170 km vor uns und da ist die Unruhe vorgegeben. Unser Frühstück nehmen wir wieder nebenan im Lokal ein.

Zu unserem Auto am Paseo de la Victoria sind es ca. 200 m zu Fuß. Wir schnappen uns unser Gepäck, gehen direkt zum Auto. So sparen wir uns die Gurkerei mit dem Auto über Richtungsverkehr, enge Anliegerstraßen und fehlende Parkmöglichkeit. Wir starten um ca. 10:00 Uhr.

Nun heißt es raus aus Cordoba. Unser Stadtplan der Innenstadt hilft uns nicht weiter. Wir "schwimmen" mit im Berufsverkehr und finden auch den Weg auf die N-IV gen Süden. In Ejica verlassen wir die N-IV und auf der wenig befahrenen A-351 geht es weiter über Osuna und El Saucejo. Wir haben hier bei 12:00 Uhr herum gut 100 km hinter uns gebracht und freuen uns darauf, zwischen 13:00 Uhr und 14:00 Uhr unser Ziel Ronda zu erreichen.

Kurz vor Almargen kommen wir an die Kreuzung der A-351 mit der A-382. Diese Kreuzung ist als "Kreisel" ausgebaut. Wir fahren heran/herein und haben Orientierungsprobleme hinsichtlich der Ausfahrt Richtung Almargen.

Da wir im "Kreisel" sind, können wir ja problemlos eine zusätzliche Runde drehen. Am Stopschild des "Kreisels" orientieren wir uns ganz genau wie wir fahren müssen. Als Heiko dann losfährt (in der Annahme er sei im echten Kreisel und habe somit freie Fahrt) ist es zu spät. Verena sieht zwar den von links kommenden Lkw, kann jedoch nicht verhindern, dass dieser uns "auf die Hörner nimmt" und uns nach rechts seitlich in die Böschung katapultiert.
Das Rutschen in die Böschung nach dem Knall verläuft irgendwie "unwirklich". Als wir zum Stehen kommen läuft der Motor noch und aus dem Motorraum qualmt es. Unser erstes Empfinden ist "nur raus" aus dem Auto, falls es explodieren sollte. Der Qualm resultiert jedoch aus dem "gebrochenen" Kühlsystem und wir sind dadurch nicht gefährdet.
 

Beim Aussteigen nach "oben" verletzt sich Verena noch am linken Schienbein und blutet stark, was sie erst später bemerkt.

Nach dem Aussteigen stehen wir beide auch im übertragenen Sinne erst einmal "daneben" und müssen realisieren was passiert ist.

Die Polizei ist dann recht schnell vor Ort, wahrscheinlich durch den Brummifahrer über Handy gerufen. Durch die Polizei wird Verena auf das blutende Bein aufmerksam gemacht. Man will sie auch gleich ins Krankenhaus bringen. Auf ihre Bitte hin wird sie dann jedoch durch einen Polizisten "nur" in die Ambulanz nach Almargen gefahren, dort ärztlich versorgt und nach weniger als einer Stunde wieder an den Unfallort zurück gebracht.

In der Zwischenzeit hat Heiko per Handy Kontakt mit der "Crown"-Autovermietung aufgenommen. Dort wird veranlasst, dass ein Abschleppwagen zur Unfallstelle geschickt wird, der das Auto nach Malaga-Flughafen zur dortigen Station des Autovermieters bringen soll. Es bleibt erst noch offen, wie wir nach Malaga kommen werden, da zu diesem Zeitpunkt nicht klar ist, wie lange die Behandlung von Verena in Almargen dauern wird.

Neben der Policia Local aus Almargen kommt auch noch eine Streife der Guarda Civil Tráfico. Personalien und Unfallhergang werden aufgenommen. Fragebogen (sogar in deutsch) müssen ausgefüllt werden. Der Brummifahrer füllt einen Unfallbericht aus, wie wir ihn auch aus Deutschland kennen, von dem wir eine Ausfertigung erhalten.
Der Abschleppwagen kommt dann auch im angegebenen Zeitraum. Es braucht geraume Zeit, um unser Fahrzeug von der Böschung auf die Strasse und dann auf den Wagen zu bekommen. Nach neuerlicher telefonischer Abstimmung mit der "Crown"-Autovermietung fahren wir dann beide mit dem Abschleppwagen Richtung Malaga. Über die A-382 geht es zuerst östlich auf Antequera und dann Richtung Süden. Der Fahrer des Abschleppwagens legt ein "höllisches" Tempo vor.

Am Amaturenbrett steht "max. speed 90 km/h" - der Tacho zeigt 120 km/h an. Wir sind beide durch den Crash an Wirbelsäule und Gliedmassen gestaucht und geprellt. Dadurch ist dieser Tripp nach Malaga dann wirklich wie eine "Höllenfahrt". Wir kommen aber ohne weitere Blessuren am Flughafen Malaga an.

In der Station der "Crown"-Autovermietung werden wir von einem netten jungen Mann empfangen, der sich sehr besorgt um uns zeigt. Nachdem er das Unfallfahrzeug auf dem Abschleppwagen begutachtet hat, ist er noch besorgter und empfiehlt uns bzw. Verena dringend in Marbella eine (deutschsprachige) Klinik aufzusuchen. Er versorgt uns darüber hinaus mit zusätzlichem Informationmaterial zu ärztlicher Versorgung - und alles in bestem Deutsch. Es stellt sich heraus, dass er als Gastarbeiterkind in Pinneberg aufgewachsen ist.

Nachdem wir unser Gepäck aus dem Unfallwagen entladen haben, können wir nach etwa einer Stunde unser "Ersatzfahrzeug" - einen VW-Polo - in Empfang nehmen. Der nette "Crown"-Mitarbeiter reserviert uns telefonisch unser Hotel für die kommenden zwei Nächte und um etwa 17:00 Uhr starten wir erneut Richtung Ronda.

Es geht jetzt auf der Küstenschnellstraße vorbei an Torremolinos und Marbella, dann auf der A-376 gen Norden auf Ronda. Auf der gebirgigen Strecke am Rande der Sierra Palmitera sind wir sicherlich für viele Einheimische ein Verkehrshindernis, jedoch sind wir nach unserem mitttäglichen Ereignis nicht geneigt, das "vorgegebene" Tempo mitzuhalten.

Gegen 19:00 Uhr erreichen wir Ronda. Einmal müssen wir im Ort nach dem Weg fragen um unser Hotel "San Francisco" zu finden.

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Ach ja - es gab da doch in den 50ern (?) so einen Schlager:
Am 30. Mai ist der Weltuntergang / wir leben nicht mehr lang /
doch keiner weiss in welchem Jahr / und das ist wunderbar /
wir sind vielleicht noch lange hier / und darauf trinken wir !!